Auftrag an die Konsuln der Stadt La Ciotat

Henri III. bittet darum herauszufinden, was der Duc de Savoie mit Wissen der Provinz Languedoc gegen die Stadt Marseille plant

Henri III. - Versammlung der Generalstände im Château de Blois, 28. Oktober 1588

Autographen - Henri III. Roi de France - Versammlung der Generalstände im Château de Blois, 28. Oktober 1588

Mit diesem auf der Versammlung der Generalstände im Château de Blois verfassten Auftrag wendet sich Henri III. an die Konsuln der ca. 30 Kilometer von Marseille entfernt liegenden Stadt La Ciotat. Im Zuge der in Frankreich seit Jahren anhaltenden Hugenottenkriege und der Anfeindungen der von Henri I. de Lorraine, duc de Guise geführte Saint-Ligue (Ligue de défense de la Sainte Eglise Catholique/ Heilige oder auch Katholische Liga) gegen die französische Krone, war es Charles-Emmanuel I., Duc de Savoie möglich, sich im Jahre 1588 die französische Markgrafschaft Saluzzo einzuverleiben. Henri III. wurde laut dem vorliegenden Dokument darüber informiert, dass der Herzog von Savoyen nun weiter nach Westen, Richtung Marseille zu greifen versucht. Die französische Provinz Languedoc scheint Kenntnis von diesen Vorgängen zu haben, duldet sie aber.

Lettre de Henri III. - Château de Blois - 1588 Commission de Henri III. - An die Konsuln der Stadt La Ciotat Autographen - Signatur von Henri III., Roi de France - 1588 Autographen - Signatur von Louis de Revol, Secrétaire d'État aux Affaires étrangères
Dokument

[Magazin-N°: BR 0023]

Henri III. – Übernahme des Marquisat de Saluces durch den Duc de Savoie und Angriffe auf die Stadt Marseille;

Signaturen

Unterzeichnet:

Henri III.,
eigenhändige Unterschrift;

Kontrasignatur:

Louis de Revol,
Secrétaire de la chambre du Roi,
Secrétaire d'État à la Maison du Roi,
Secrétaire d'État aux Affaires étrangères (eigenh. Unterschrift);

Schriftstück

Empfänger:

Die Konsuln der Stadt La Ciotat bei Marseille;

Art:

Auftrag/ Commission;

Datum:

28. Oktober 1588,
Château de Blois;

Format:

ca. 236 x 372 mm,
1p. in fol.;

Material:

Vergé-Papier;

Der König informiert die Konsuln der Stadt La Ciotat über dieses Vorgehen und ordnet an, dass diese sich umgehend daran machen sollen aufzuklären, was der Duc de Savoie plant und wer seine Helfer auf französischer Seite sind. Damit diese, falls man sie aufgreifen kann, umgehend der Justiz übergeben und den Umständen entsprechend hart bestrafen kann. Darüber hinaus sollen die Konsuln für eine sichere Bewachung der Stadt La Ciotat sorgen, damit dort keine ähnlichen Zwischenfälle auftreten.

Solche von der Heiligen Liga gedulteten Vorfälle und Provokationen – sie verlieh dem Duc de Savoie 1590 gar den Titel Conte/Comte de Provence, der zu diesem Zeitpunkt bereits ausschließlich der Krone zustand – die von Ihr und angestifteten Angriffe gegen die königliche Authorität und der dadurch stetig geschürte Bürgerkrieg werden Henris Entschluss bestärkt haben, den Einfluss der aufrührerischen Guisen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln endgültig zu brechen. Am 23. Dezember 1588, also knapp zwei Monate nachdem er das hier vorliegende Schriftstück verfasste, ließ der König seinen Widersacher Henri I. de Lorraine, duc de Guise, während der noch anhaltenden Generalstände im Château de Blois ermorden. Dessen Bruder, der Kardinal Louis II. de Lorraine-Guise wurde inhaftiert und am folgenden Tag im Gefängnis hingerichtet.

Das Dokument trägt die Kontrasignatur von Louis de Revol, der nicht nur erster französischer Außenminister war, sonder auch als erster Minister mit diesem Resort überhaupt gilt.

Inhalt des Dokuments

Hier finden Sie den Originalinhalt des Dokuments

Mez chers et bien amez les consulz de n(ost)re ville de La Ciotat.

De par le Roy conte de Provence

Chers et bien amez, sur l’occasion du changement qui a este faict en nostre Marquisat de Saluces, nous avons este advertiz qu’il se trouve quelque entreprinse sur n(ost)re ville de Marseille de mesme part qu’est advenu ledict changement avec intelligence du coste de Languedoc au moien de quoy estant necessaire plus que jamais de veiler a la seureté d’icelle ville. Nous avons estimé a propos de vous faire entendre ledict advis, voulons et vous ordonnons que vous avez a faire diligenté perquisition et recherche de ce faict pour descouvrir sil est possible, ce qui en est et qui en sont les complices, affin que si aucuns d’iceulx peuvent estre apprehendez. Il en soit faict telle punition par justice que ledict crime peult meriter, et neantmoins faictes si bonne et songueuse garde a la conservation de v(ost)re d(ite) ville qu’il n’en puisse advenir inconvenient. Donne a Blois le xxviiie jour d’octobre 1588

Henry
Revol

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