Herzogin von Orléans

Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans - 1673 bis 1715

Collection Spemann Stuttgart - um 1873

Briefe der Élisabeth Charlotte von Orleans

Élisabeth Charlotte Prinzessin von der Pfalz (1652-1722) oder auch "Liselotte von der Pfalz" genannt, war Herzogin von Orléans und die Schwägerin von Louis XIV. (1638-1715). Nach ihrer politisch motivierten Hochzeit mit Philipp I. d´Orléans am Hof von Versailles recht isoliert lebend, wurde sie vor allem durch ihren regen Briefwechsel bekannt. Von Ihren Briefen sind heutzutage noch ungefähr 5.000 Stück erhalten und bei Sammlern von Autographen hoch gehandelte Stücke.

In diesem Buch hat Ludwig Geiger einen kleinen Teil Ihrer Briefe, mit Anmerkungen versehen, veröffentlicht. Vor allem Korrspondenzen mit der Schwägerin ihres Vaters, der Kurfürstin von Hannover Sophie und ihren Schwestern, der Raugräfin Luise zu Pfalz und Amalie Elisabeth.

Élisabeth Charlotte d´Orléans Collection Spemann - Stuttgart Briefe der Liselotte von der Pfalz, Schwägerin von Louis XIV.
Buch

[Magazin-N°: BÜ 0001]

Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans, 1673 bis 1715.
Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger;

Autor:

Elisabeth Charlotte de Orléans;

Co-Autor:

Ludwig Geiger;

Sprache:

deutsch;

Verlag:

Collection Spemann Stuttgart, Deutsche Hand- & Hausbibliothek;

Einband:

Blauer Original-Leineneinband;

Umfang:

240 Seiten;

Format:

123 x 182 mm;

Publikationsdatum:

ca. 1873.

Erhaltung:

Sehr guter Zustand. Einband mit allseits reicher Blindprägung. Rückenvergoldung.
Schwach marmorierter Ganzschnitt. Zweifarbiges Titelblatt und illustrierter Vorsatz. Inhalt sauber ohne Eintragungen;

Élisabeth Charlotte d´Orléans beschreibt in ihren Briefen das Leben bei Hofe, berichtet von Ihren Ausritten, Jagdgesellschaften und Begegnungen mit dem Sonnenkönig. Dieser schätzte sie anfänglich sehr. Erst als Élisabeth Charlotte die Position der "Madame de Maintenon", der letzten Maitresse und heimlichen zweiten Ehefrau des Königs, bei Hofe nicht anerkennt, gerät sie in Missgunst. Die Maintenon unterbindet letztendlich den Kontakt.

Sie erzählt aber auch von den Intrigen und Machenschaften der Höflinge und verschlüsselt diese Erzählungen, indem Sie Namen ersetzt und Begebenheiten umschreibt, da Sie genau weiß, das Ihre private Post – als nicht-Französin – vor dem Versand gelesen wird. Von ihr stammt auch der bekannte Satz über die Dauerbaustelle des Château de Versailles: "Es gibt keinen Teil, der nicht zehnmal verändert worden ist."

An die Kurfürstin Sophie

Saint-Germain-en-Laye, 14. Dezember 1667

Zitat eines Briefes aus dem Buch "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans

Dieser Brief an ihre Tante, der Herzogin Sophie, schildert Élisabeth Charlotte kurz einen Tagesablauf am Hof von Versailles und ihr gutes Verhältnis zum König "Louis-quatorze":

Zitat: "E. L. (Anmerkung: Abkürzung für Euch Liebden, einer gängigen deutschen Anrede zwischen Adeligen gleichen Standes) bitte ich demütigst um Verzeihung, daß ich in so langer Zeit meine Schudigkeit mit Schreiben nicht abgelegt habe. [...] Erstlich zu Versailles, allwo wir den ganzen Tag zu thun hatten; den Morgen bis um drei Nachmittags waren wir auf der Jagd, darnach wenn wir von der Jagd kamen, so kleidete man sich anders an und gingen hinauf zum Spiel (Anmerkung: anscheinend bewohnte Élisabeth Charlotte ein Apartement im Erdgeschoss?), dort blieb man bis um sieben Abends, von da ging man in die Komödie, welche um halb elf Uhr aus war, alsdann ging man zum Nachtessen, vom Nachtessen zum Ball, welcher bis drei Uhr morgens währte und dann zu Bett. Drum laß ich E.L. selbst gedenken, ob ich dort Zeit zu schreiben gehabt habe, nachdem ich aber hierher bin gekommen, hab ich alle Tage antworten wollen, aber allemahl ist was dazwischen gekommen, [...] insonderheit verdrießliche Bisiten, die mir mein Fall, so ich vom Pferde gethan, auf den Hals gezogen (Anmerkung: bei einem Jagdausflug mit Louis XVI. stürzt Élisabeth Charlotte vom Pferd) [...] Wir hatten schon einen hasen gefangen und eine Elster geflogen [...] mich deuchte daß mein Rock nicht recht unter mir war, drum hielt ich stille und bückte mich, um mich recht zu setzen, und in dem Augenblick, daß ich in der Positur bin steht ein Hase auf, welchem alle nachjagen, und mein Pferd, welches die anderen jagen sieht, will auch hernach und springt auf eine Seite [...] und machte also meinem Pferd Bange, welches aber nicht faul war, sondern sich aber bald auf eine andere Seite wendete und durchging [...] sobald ich mich aber allein sah, ließ ich mich allgemach los und auf die grüne Blouse fallen, und dies so glücklich abgegangen, daß ich mir Gott sei Dank nicht das geringste Wehe gethan habe. E. L. die unsren König (Anmerkung: Louis XIV.) so sehr admirieren, daß er mir sowohl in meinen Kindsnöten beigestanden (Anmerkung: der erstgeborene, 3-jährige Sohn verstarb 1676), werden ihn dann noch auch wohl lieb haben in dieser Rencontre, denn er war selber der erste bei mir, so bleich wie der Tod, und ob ich ihm schon versicherte, daß ich mir gar kein Wehe gethan und nicht auf den Kopf gefallen wäre, so hat er doch keine Ruhe gehabt, bis er mir selber den Kopf auf allen Seiten visitiert und endlich gefunden, daß ich ihm wahr gesagt hatte, hat mich selber hier in meine Kammer geführt und noch etliche Zeit bei mir geblieben, um zu sehen, ob ich aufs wenigste nicht taumlich wäre, ist auch nicht ins alte Schloß, bis daß ich ihm nochmals versichert, daß ich im geringsten nichts empfinde. Ich muß sagen, daß der König mir noch täglich mehr Gnade erweist, denn er spricht mir überall zu, wo er mich antrifft (Anmerkung: dies zeigt die Gunst, in der Élisabeth Charlotte bei Louis XIV. stand) und läßt mich jetzt alle Samstag holen, um medianoche (Anmerkung: Fleischmahlzeit unmittelbar nach Mitternacht, nach einem eben vergangenen Fastentag) mit ihm bei Mad. de Montespan zu halten. [...]"

Zitat aus dem Buch/ Quelle: "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans - 1673 bis 1715/ Collection Spemann - Deutsche Hand- & Hausbibliothek, Stuttgart um 1873/ Brief 2, Seite 15 und 16. Brief der Élisabeth Charlotte von Orléans, vom 14. Dezember 1667.

An Louise

Versailles, 6. September 1715

Zitat eines Briefes aus dem Buch "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans

Dieser Brief an ihre Schwester, der Raugräfin Luise von Pfalz, schildert Élisabeth Charlotte den Verlust des Königs "Louis-quatorze":

Zitat: "Herzallerliebste Louise, es ist gar lang, daß ich Euch nicht geschrieben habe, aber es ist mir ganz unmöglich gewesen; bin bisher so akkabliert gewesen und so herzlich betrübt, daß es mir unmöglich gewesen zu schreiben, hab meine nassen Augen, zu den Briefen vor meine Tochter Freitag und Dienstag gespart. Vergangenen Sonntag (Anmerkung: 1. September 1715) ist unser seliger König gestorben um halb 9 Uhr morgens. Ihr könnt wohl gedenken, daß ich viel Bisiten habe empfangen müssen und geben. [...] Freilich bin ich nun in voller Betrübnis, sowohl wegen des Königs verlußt, als auch, daß ich in das verfluchte Paris muß und vor ein ganzens Jahr. Werde ich aber krank, so gehe ich durch und ghe nach St. Cloud. Mein Gott, was werde ich für eine Qual ausstehen! Aber klagen hilft zu nichts. Es ist besser, daß ich auf Euer liebes Schreiben antworte. [...]"

Zitat aus dem Buch/ Quelle: "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans - 1673 bis 1715/ Collection Spemann - Deutsche Hand- & Hausbibliothek, Stuttgart um 1873/ Brief 203, Seite 230 und 231. Brief der Élisabeth Charlotte von Orléans, vom 6. September 1715.

An Louise

Paris, 10. September 1715

Zitat eines Briefes aus dem Buch "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans

Dieser Brief an ihre Schwester, der Raugräfin Luise von Pfalz, schildert Élisabeth Charlotte die Überführung von "Louis-quatorze" nach Saint-Denis und nennt den neuen König Louis XV.:

Zitat: "[...] Alle unsre Sorgen vor dem König sind leider zum End. Gestern hat man unsren König selig nach St. Denis geführt. Das ganze königliche Haus ist zerstreut wie Staare. Der junge König (Anmerkung: Louis XV.) fuhr gestern nach Vincennes, Madame de Berry nach St. Cloud, meines Sohnes Gemahlin und ich hierher, mein Sohn kam erst her, nachdem er den jungen König nach Vincennes begleitet hatte; wo alle andern hinkommen sind, weiß ich nicht."

Zitat aus dem Buch/ Quelle: "Briefe der Élisabeth Charlotte von Orléans - 1673 bis 1715/ Collection Spemann - Deutsche Hand- & Hausbibliothek, Stuttgart um 1873/ Brief 203, Seite 232. Brief der Élisabeth Charlotte von Orléans, vom 10. September 1715.

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