Francois de Salignac de la Mothe-Fénelon

Les Avantures de Telemaque, Fils d'Ulysse - Nouvelle édition, revue, corrigée & enrichie de belles remarques allemandes & des figures.

C. Wohler, Ulm, Frankfurt & Leipzig - 1766

Francois de Salignac de la Mothe-Fénelon - Les Avantures de Telemaque, Fils d'Ulysse

Bei diesem Buch von François de Salignac de la Mothe-Fénelon handelt es sich um eine Schulausgabe der im 18. Jahrhundert beliebten und weit verbreiteten Jugendlektüre und Erziehungsschrift. Sie ist mit ausführlichen deutschen Anmerkungen und Worterklärungen versehen. Die Bearbeitung von Joseph Anton von Ehrenreich erschien zuerst 1732. Schön sind das zweifarbige Titelblatt, die 22 noch erhaltenen ganzseitigen Kupfertafeln (von ursprünglich 24), welche einige Stationen und Situationen des Romans zeigen und die ausklappbare Karte mit Télémaques Reiseroute im Mittelmeerraum.

Fénelon (1651-1715) war Erzbischof von Cambray und Schriftsteller. Wahrscheinlich auf Empfehlung von Madame de Maintenon [vgl. BÜ 0006], der Maîtresse und zweiten heimlichen Ehefrau von Louis XIV., wurde er 1689 zum Lehrer der Enkel des Sonnenkönigs, der Ducs de Bourgogne, d'Anjou und de Berri, ernannt. Für diese schrieb Fénelon einige belehrende Werke. Sein berühmtestes ist der 1694–96 geschriebene Reise-, Abenteuer-, und Lehrroman "Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse", der das Idealbild eines guten Königs skizzierte.

Telemachos Télémaque Telemachus von Fenelon Erzieher der Enkel Louis XIV. Les Avantures de Telemaque, Fils d'Ulysse - Fénelon, Francois de Salignac de la Mothe Les Aventures de Telemaque - Fénelon
Buch

[Magazin-N°: BÜ 0004]

Les Avantures de Telemaque, Fils d'Ulysse. Nouvelle édition, revue, corrigée & enrichie de belles remarques allemandes & des figures; oder deutliche und zum Nutzen der Jugend recht eingerichtete Wunderbare Begebenheiten Telemachs, worinnen durch deutsche Anmerkungen. Nebst schönen Kupfern und accuraten Lendcarte von Joseph Anton von Ehrenreich. Anjetzo aber mit vielem Fleiß übersehen, auch um viel verbesserter und vermehrter an das Licht gestellt von J. L. K.;

Autor:

Francois de Salignac
de la Mothe-Fénelon
Erzbischof von Cambray und
Lehrer der Enkel Louis XIV.;

Übersetzung:

Joseph Anton von Ehrenreich
deutsche Bearbeitung

Graveur:

--;

Sprache:

französisch mit deutschen Anmerkungen;

Verlag:

C. Wohler,
Ulm, Frankfurt & Leipzig;

Einband:

Marmarmorierter Pappeinband
der Zeit;

Umfang:

2 Bände in einem: 344 Seiten;
302, 54 (statt 56) Seiten;

Format:

-- x -- mm;

Publikationsdatum:

1766;

Erhaltung:

Restaurierungsbedürftig. Einband stark berieben und bestossen, Gelenke aufgebrochen. m unteren Drittel eingerissen. 2-farbiges Titelblatt und die folgenden 2 Blätter mit größerem Tintenfleck (etwas Textverlust). Frontispiz mit Stich, das letzte Blatt des Registers und 2 Tafeln fehlen. Inhalt sehr schön;

Fénelon führt den jungen Sohn des Odysseus "Télémaque" (Telemachos) in diesem "pseudo-historischen" und zugleich utopischen Roman zusammen mit dessen Mentor durch diverse Staaten der Antike. Der Mentor, in dem sich Minerva alias Athene verbirgt, ist ganz offensichtlich das Sprachrohr des Autors Fénelons. Die von Télémaque bereisten antiken Länder haben die selben Probleme, wie das in Kriege verstrickte und verarmende Frankreich der damaligen Zeit, Dieses resultiert aus Fehlentscheidungen der jeweiligen Herrscher, die nur von falschen Ratgebern umschmeichelt und umgebenen sind.

Historische Landkarte vom Mittelmeer - Telemaque - Fénelon

Der Autor zeigt an einem Fallbeispiel, wie sich diese Probleme dank der Ratschläge des Mentors lösen lassen. Z.B. durch den friedlichen Ausgleich mit den Nachbarstaaten und durch Reformen die das Wachstum anregen. Insbesondere die landwirtschaftliche Förderung und die minimierung der Produktion von Luxusgütern.

Das Werk wurde nach seiner Niederschrift bei Hofe umgehend als kaum verschlüsselte Kritik am absolutistischen, kriegerischen und luxusorientierten Regierungsstil von Louis XIV. gesehen. Anfang 1699 verlor Fénelon deshalb sein Amt als Erzieher. Als dann im April sein Télémaque anonym und ohne seine Zustimmung in Druck ging, wurde er vom Hof verbannt. Das Buch wurde gleich nach seinem Erscheinen verboten, fand aber – vom König gedultet – während der Regentschaft von Louis XV. seinen Weg zurück an Hof von Versailles um bei der Erziehung der Söhne des Dauphins zu dienen.

Erst Ludwig XVI. gab es wieder vollständig frei, da es in seiner Erziehung eine feste Grundlage bildete. Diese verlangte von einem perfekten Monarchen Tugend, Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gott, Gerechtigkeit und Liebe zum Volk und vor Allem eine grundsätzlich entschlossene Haltung. Diese Erziehung wird sein späteres Leben und seinen Regierungsstil prägen, auch wenn dieser durch die revolutionären Meinungen und Aussagen heute in der Regel völlig verfälscht in den Köpfen der Menschen eingeprägt ist. Denn genau diese Dinge, wie Gerechtigkeit, Güte und Liebe zum Volk, welche er als Kind lernte, sollten später seine höchsten Werte als König von Frankreich und Navarra werden. So musste er als Kind ausgewählte Abschnitte der Abenteuer Telemachs durcharbeiten und diese mit seinen eigenen Worten wiedergeben. Ein Abschnitt des Buches beschrieb die Haltung des Königs zu seinen Bauern. Fénelon schreibt: "[...] Verhänge auf jene, die ihre Felder vernachlässigen, Steuern, Geldstrafen und wenn nötig sogar andere harte Strafen [...]". Der junge Louis gibt diese Passage viel freundlicher wieder: "[...] Die Bauern müssen als der dem Staat nützlichste Stand respektiert werden [...]". Erst viel später geht er in seiner Fassung des Textes völlig nebensächlich auf Steuern und Geldbußen ein, die "harten Strafen" erwähnt er gar nicht erst. So teilte der während seiner Kindheit regierende Louis XV. auch nicht immer die Ansichten seines Enkels innerhalb dieser Aufgaben. In einem überlieferten Fall gab es für einen Vortrag einer so zusammengefassten Interpretation des Buches auch kein Lob vom großväterlichen König, sondern nur den strikten Kommentar: "Monsieur, Ihre Arbeit ist beendet. Legen Sie diesen Satz ab."

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