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Geschichte des Château de Saint-Cloud

1577 bis 1655: Vom Hôtel d'Aulnay zur Maison de Gondi

Die florentiner Bankiersfamilie de Gondi errichtet eine erste Villa

Maison de Gondi, späteres Château de Saint Cloud, Silvestre/Merian - 1655
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Die frühe Geschichte des Anwesens von Saint-Cloud liegt im Dunkel der Zeit verborgen, da es nur wenige verläßliche Quellen mit Aufzeichnungen und Berichten gibt. Dies ändert sich mit dem beginnenden 16. Jahrhundert.

Im Jahr 1533 begleitete die florentiner Bankiersfamilie "de Gondi" den Brautzug der für Ihre Hochzeit mit dem späteren Henri II. de Valois aus Italien nach Frankreich reisende Catherine de Médicis. Die reichen Finanziers der Königin ließen sich fest in Frankreich nieder und begründeten so den französischen, hofnahen Zweig der Dynastie de Gondi. Diese wurde zu einer der wohlhabendsten Familien Frankreichs, die im darauf folgenden Jahrhundert übrigens auch einige nicht weit von Saint-Cloud entfernt liegende Ländereien an Louis XIII. verkauften, welche für den Bau des Château de Versailles und den zugehörigen Grand Parc benötigt wurden.

Scheinbar hielt sich Catherine de Médicis ab den 1570er Jahren häufiger in dem oberhalb des Seinebogens von Saint-Cloud gelegenen Anwesen mit dem Namen "Hôtel d'Aulnay" auf, da sie hier im Jahre 1572 ein weiteres, nach Süden gerichtetes Gebäude als Lusthaus errichten ließ. Die mittlerweile verwitwete Königin kaufte das gesamte Anwesen dann um das Jahr 1577.

Jedoch nicht ausschließlich um dort Zeit zu verbringen, denn laut historischen Unterlagen gab es Ideen das Wasser einer dortigen Quelle mittels Aquädukt in die Gärten ihres neu geschaffenen Palais des Tuileries in Paris zu schaffen. Bereits im Dezember des selben Jahres verkaufte Catherine de Médicis das Hôtel inklusive aller Nebengebäude und den zugehörigen 13 Hektar Land an ihren Chevalier d'honneur und höfischen Introducteur des ambassadeurs, den Lyoner Bankier Jérôme de Gondi, baron de Codun (Hiérosme de Gondi, urspr. ital. Giròlamo Gondi, 1550-1604). Dieser errichtete um den Bau des alten Hôtel d'Aulnay eine kleine, aus zwei rechtwinkelig angeordneten Flügeln bestehende Maison, die von in Terrassen angelegten Gärten umgeben war. Die Hauptfassade dieser Maison de Gondi zeigte nach Süden und der im rechten Winkel nach Westen verlaufende Flügel endete in einem für diese Zeit typischen Pavillon [vgl. GR 0020].

Am 1. August 1589 hielt sich der französische König Henri III., Sohn von Catherine de Médicis, in der Maison de Gondi auf, um während der Kämpfe gegen die Heilige Liga (Sainte Ligue) die Belagerung von Paris zu befehligen, als der fanatische Dominikanermönch Jacques Clément in das Anwesen eindrang und den König mit einem Messer niederstach. Clément wurde zwar umgehend von den anwesenden Wachen überwältigt und niedergestreckt, aber auch Henri III. lag im Sterben. Hier im Château de Saint-Cloud bestimmte er, als letzter Herrscher des Hauses de Valois, seinen protestantischen Schwager Henri de Navarre zu seinem legitimen Nachfolger. Dieser bestieg als erster Bourbone den Doppelthron von Frankreich und Navarra.

Nach dem Tod von Jérôme de Gondi im Jahre 1604 wurde die Maison 1618 von dessen Sohn Jean-Baptiste II. de Gondi an Jean de Bueil, Comte de Sancerre verkauft. Dieser starb jedoch bereits 1625 und Jean-François de Gondi, Erzbischof von Paris, kaufte das Anwesen zurück. Auch der Erzbischof ließ das Anwesen erweitern und ausbauen. Genaue Pläne aller unter ihm getätigten Arbeiten sind nicht mehr erhalten. Verbürgbare Quellen berichten aber von den umfangreichen Gartenarbeiten durch den Florentiner Hydraulik-Ingenieur und Gartenarchitekten Thomas Francine (ital. Tomasso Francini, 1571-1651).

Als der Erzbischof 1654 starb, erbte Philippe-Emmanuel de Gondi den Familiensitz, welcher ihn wiederum fast direkt an seinen Neffen Henri de Gondi, Duc de Retz weitergab. Dieser behielt die Maison de Gondi ebenfalls nur für einen sehr kurzen Zeitraum und verkaufte das Anwesen bereits im darauf folgenden Jahr an Barthélemy Hervat.

Der exakte Zustand der Anlage zum Zeitpunkt ihres Verkaufs ist nicht genau bekannt. Jedoch finden sich in den Publikationen von Élie Brackenhoffer (Voyage en France 1643-1644), Abraham Gölnitz (Le Dauphiné et la Maurienne au XVIIe siècle. Extraits du voyage d’Abraham Gölnitz) und John Evelyn (The Diary of John Evelyn) einige Beschreibungen des Anwesens, wie die drei es bei ihren Besuchen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und vor den kommenden Modifikationen im Auftrag des neuen Eigentümers Hervat sahen.
Sie berichten von einer italienisch anmutenden Villa, deren Hauptgebäude eine Fassadenbemalung mit farbigen Mustern oder Ornamenten trug und mit bronzenen Stuckreliefs von Reiterbildern der Könige Charles IX., Henri III., Henri IV. und Louis XIII. verziert war. Sie beschreiben die mit Fresken verzierte Loggia mit dem weitläufigen Blick über die Seine Richtung Paris. Auch die großzügigen Gartenanlagen kommentieren sie und erwähnen unter anderem die diversen Sehenswürdigkeiten wie Statuen, Wasserspiele, Fontainen, Volieren und Grotten. Ein Teil der durch die drei Frankreich-Reisenden erwähnten Dinge müssen aber schon den Erweiterungsmaßnahmen von Barthélmy Hervat zugeordnet werden.

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Quellenverzeichnis (u.a.):
• Association Reconstruisons Saint-Cloud

• Katharina Krause, Die Maison de plaisance. Landhäuser der Ile-de-France (1660-1730), Deutscher Kunstverlag

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