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Geschichte des Château de Saint-Cloud

1655 bis 1658: Die Maison von Barthélmy Hervat

Die Wandlung von einer Villa zum ersten kleinen Schloss

Château de Saint-Cloud, Maison de Barthélemy Hervat - Ïsrael Silvestre - 1650
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Barthélemy Hervat, ein gebürtiger Deutscher, übernahm das Anwesen im Jahre 1655 für einen Betrag von 72.000 Livres vom Duc de Retz. Entsprechend seiner hohen Stellung als Surintendant des Finances ließ Hervat die zu dieser Zeit noch recht beschaulichen Parkanlagen auf fast die gesamte Fläche der zugehörigen und weitere durch ihn zusätzlich angekauften Ländereien erweitern. So entstand eine Gesamtanlage von ungefähr 12 Hektar. Diesen Arbeiten am Park kann mit Sicherheit eine große Kaskade, die oft mit der später errichteten und heute noch erhaltenen verwechselt wird, das große Bassin du Grand Jet sowie eine Grotte, welche oberhalb der großen Kaskade gelegen war, den Erweiterungs-maßnahmen von Barthélmy Hervat zugeordnet werden.

Auch am eigentlichen Gebäude ließ er große Veränderungen vornehmen. Diese sind aber wie fast alle Erweiterungs-maßnahmen dieser frühen Zeit des Château de Saint-Cloud im Detail jedoch nicht mehr bekannt, beziehungsweise sich sich nicht mehr eindeutig zuordnen. Insgesamt müssen die von Barthélemy Hervat beauftragten Erweiterungen, wenn auch nicht schriftlich im Detail festgehalten, dennoch relativ umfangreich ausgefallen sein und sich einschneidend auf das Aussehen der Gesamtanlage ausgewirkt haben.

Dafür spricht in erster Linie ein historischer Plan der Gartenanlagen von Saint-Cloud, in welchen neben der Gestaltung des Parks auch der Zustand des Hauptgebäudes eingezeichnet ist. Während die Maison de Gondi noch einen eher bescheidenen Grundriss aufgewiesen haben muss, so ist hier nun ein repräsentativer Bau zu erkennen, der – typisch für den Barock – symmetrisch aufgeteilte Zimmerfluchten enthält. Diese sind um ein großzügiges, im Zentrum gelegenes Treppenhaus angeordnet. An das eigentliche Hauptgebäude sind darüber hinaus noch kleinere Anbauten gesetzt, die ebenfalls nicht der überlieferten, von Jérôme de Gondi hinterlassenen, Bausituation entsprechen. Der besagte Plan wurde zwar erst im Jahre 1669 erstellt, also elf Jahre nachdem Barthélemy Hervat das Anwesen an Philippe I. d'Orléans verkauft hat, jedoch lassen sich die großen Umbauten der Maison dennoch relativ eindeutig Hervat zuordnen, da sich sein Nachfolger belegterweise vorerst mit der Erweiterung und Verschönerung der Parkanlagen begnügte. Erst nach 1671 begannen dann die ersten wichtigen Bauarbeiten am Château de Saint-Cloud im Auftrag von Monsieur.

Château de Saint-Cloud, Plan der Maison von Barthélmy Hervat Maison de Barthélmy Hervat, Silvestre

Drei von Israël Silvestre (le jeune) um 1650 gravierte Ansichten der Ost- und Südfassaden geben also wahrscheinlich die von Barthélemy Hervat geschaffene Maison de Saint-Cloud recht gut wieder. Diese decken sich völlig mit dem besagten späteren Plan. Sowohl die Ausrichtung der Gebäuderiegel, als auch die Anordnung der Fenster der südlichen Zimmerfluchten und des zentralen Treppenhauses in einem Mittelrisalit passen exakt zu der Gebäudesituation im Gartenplan. Silvestres Südansicht zeigt ein zweigeschossiges Gebäude das auf einem Arkardensockel steht und von einem Walmdach mit runden Ochsenaugenfenstern bedeckt wird. Um das gesamte oberste Stockwerk läuft ein Balkon mit geschmiedetem Geländer. Der Mittelrisalit schließt mit einem Giebel ab. Die Ostseite wird durch fünf Fenster mit Rundbögen in der Beletage dominiert, die sich wie eine Loggia in Richtung Seine öffnet.

Ein weiterer Fakt, der für die durch Hervat vorgenommenen, umfangreichen Erweiterungen zwischen 1655 und 1668 spricht, ist der von der Krone an ihn gezahlte Kaufpreis für das Anwesen. Nachdem er für einen Zeitraum von drei Jahren Eigentümer war, erhielt er beim Verkauf eine Summe von 331.548 Livres. Mehr als das Viereinhalbfache des von ihm an den Duc de Retz gezahlten Preises.

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Quellenverzeichnis (u.a.):
• Association Reconstruisons Saint-Cloud

• Katharina Krause, Die Maison de plaisance. Landhäuser der Ile-de-France (1660-1730), Deutscher Kunstverlag

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