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Geschichte des Château de Saint-Cloud

1785 bis 1789: Das Schloss von Marie-Antoinette

Die Königin veranlasst die letzten großen Umbauten

Château de Saint-Cloud, Westfassade von Richard Mique

Nach dem Tod von Philippe I. d'Orleans verblieb das Château de Saint-Cloud für die kommenden 83 Jahre im Besitz des Hauses Orléans. Das Schloss und die zugehörigen Länderein, die zur königlichen Jagd gehörten, wurden in dieser Zeit oft von Louis XIV., Louis XV. und Louis XVI. für diesen Zweck genutzt. Das gut ausgebaute Château de Saint-Cloud bat ihnen und den großen Jagdgesellschaften eine komfortable Unterkunft.

Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts gelangte das Anwesen wieder fest in den unmittelbaren Besitz der französischen Krone, als Louis XVI. es für seine Frau, die Königin Marie-Antoinette kaufte.

Da das Schloss nicht wirklich zum Verkauf stand, übernahm es der König mit ein wenig Nachdruck am 24. Oktober 1784. Das Schloss sowie alle mittlerweile zugehörigen Nebengebäude und die weitläufigen Ländereien wurden ihm vom damaligen Besitzer, dem Herzog Louis-Philippe d'Orléans (genannt "le Gros") für eine Summe von 6.000.000 Livres überlassen. Der Herzog von Orléans nutzte das Schloss bis zu diesem Zeitpunkt als Rückzugsort nach seiner morganatischen Eheschließung mit der Schriftstellerin Charlotte Jeanne Béraud de La Haye de Riou, Marquise de Montesson. Er starb bereits kurz nach dem Verkauf seinen Anwesens.

Daraufhin ließ Marie-Antoinette zwischen 1787 und 1788 die letzten großen Änderungen am Château de Saint-Cloud vornehmen (siehe auch alle Pläne in der Einleitung). Diese Arbeiten umfassten die Erweiterung des Corps de Logis und der daran angrenzenden Aile Gauche (Südflügel) sowie die Neugestaltung der westlich und südlich gelegenen Gartenfassaden dieser beiden Gebäudeteile.

Von Richard Mique errichtete Südfassade des Château de Saint-CloudDer neue Hauptzugang zum Schloss wurde im Bereich der Cour d'Honneur, mittig im Corps de Logis installiert. Von dort aus gelangte man nun direkt in das Vestibül und zur dahinter gelegenen Treppe des Hauptgebüdes. Im Südflügel wurden neue Salons und Appartements installiert. Um diese bequemer erreichen zu können, wurde das von Jules-Hardouin Mansart im Übergang von Südflügel und Corps de Logis gebaute Treppenhaus abgerissen und ein großzügigeres geschaffen. Auch die bis zur Zerstörung des Schlosses genutzte, an der Außenseite des Nordflügels gelegene Chapelle Royale wurde auf Wunsch der Königin errichtet. Der größte Teil der durch Marie-Antoinette beauftragten Änderungen bezog sich jedoch auf die Innenausstattung ihres neues Anwesens, welche dem Geschmack der Zeit angepasst wurde. Davon unbetroffen waren die alten Repräsentationsräume.

Ausführender Architekt dieser durch Marie-Antoinette veranlassten Arbeiten war, genau wie in ihrem Hameau in Versailles (vg. FA 0007), der Architekt Richard Mique. Was nicht nur ihm nach Ausbruch der Französischen Revolution im Jahre 1789 zum Verhängnis wurde. Besonders die zu diesem Zeitpunkt als "Madame Déficit" betitelte, unbeliebte Königin musste sich – neben den Ausgaben für ihr Petit Trianon [vgl. FA 0006] in Versailles – für die Kosten des Kaufs und der Umbaumaßnahmen des Château de Saint-Cloud rechtfertigen. Vor allem weil Sie persönlich als Eigentümerin des Schlosses aufgeführt wurde und nicht der König. Ein undenkbarer Sachverhalt im durch die Lex Salica geprägten monarchischen System Frankreichs, in dem "Eigentum der Krone" grundsätzlich bedeutete, das etwas dem König gehörte und nicht seiner Frau.

Escalier de la Reine von Mique im Château de Saint-CloudTrotz der schwerwiegenden Anschuldigung der Verschwendung von Staatsgeldern und starker Bedenken wegen Fluchtgefahr, wurden Marie-Antoinette und ihrer Familie im Jahre 1790 noch ein Aufenthalt in Saint-Cloud gestattet, um der Sommerhitze des inmitten der Großstadt Paris gelegenen Palais des Tuileries zu entgehen. Hier fand auch das Treffen zwischen der Königin und dem Comte de Mirabeau statt. Dieser war ein wortgewandter Abgeordneter des dritten Standes in der Nationalversammlung, ab 1790 Präsident des Jakobinerclubs und ab dem 30. Januar 1791 Präsident der Nationalversammlung. Wegen seiner enormen Schulden bot er sich jedoch gegen die Zusicherung einer immensen Summe zeitgleich dem König an, um sich in der Nationalversammlung insgeheim für dessen Interessen stark zu machen. Die Königin mißtraute ihm von Grund auf, weshalb Mirabeau ein geheimes Treffen unter vier Augen im Park von Saint-Cloud arrangieren ließ. Er versuchte Marie-Antoinette von sich, seiner Loyalität der Monarchie gegenüber und seinen Bemühungen die Krone zu retten zu überzeugen. Dies gelang ihm jedoch nicht. Als er 1791 im Sterben lag, ließ der Hof eiligst alle Schriftstücke aus seinem Haus entfernen, um das monatelange Doppelspiel beider Seiten zu vertuschen. Miraubeau galt unter den Revolutionären immer als wahres Vorbild und sein Tod traf seine Mitstreiter schwer. Biis man zwei Jahre später die geheimen Verhandlungen mit dem Königshaus und somit sein Doppelspiel aufdeckte. Daraufhin entfernte man seinen Leichnam wieder aus dem Panthéon.

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Quellenverzeichnis (u.a.):
• Association Reconstruisons Saint-Cloud

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