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Geschichte des Château de Saint-Cloud

Römisches Novigentum und mittelalterliche Siedlung des Clodoald

Ein Bauwerk mit langer und wechselvoller Geschichte

Château de Saint-Cloud um 1738, Mariette
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Ein im heutigen Département Hauts-de-Seine, auf einer Anhöhe über dem Seinebogen westlich von Paris und zwischen den Orten Sèvres und Saint-Cloud gelegenes Anwesen, befand sich seit dem Mittelalter immer wieder im Besitz der königlichen Familien von Frankreich und deren Nebenlinien.

Die frühe Geschichte dieses Anwesens ist jedoch relativ schlecht dokumentiert und wirft viele Fragen auf. Erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts werden die Quellen verläßlicher und beschreiben, wie aus einem schlichten Hôtel erst eine kleine Maison und im Laufe der Zeit das Château de Saint-Cloud wird. Über die Zuordnung der einzelnen Bauphasen zu den jeweiligen Eigentümern streiten die Historiker jedoch, weshalb ich hier auf die wahrscheinlichste Reihenfolge eingehe.

Begünstigt wurde der stetige Ausbau durch den mehrfach stattgefundenen Wechsel der Eigentümer, dem bei der priviligierten Oberschicht verstärkt aufkommenden Drang sich zum privaten Vergnügen eine Maison de Plaisance zu errichten und letztendlich durch den im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts einsetzenden Bau von unzähligen Maisons und Schlössern durch Adelige und Würdenträger, die sich unweit der neuen Residenz, dem Château de Versailles niederlassen wollten.

Namensgeber des Schlosses ist die benachtbarte Ortschaft Saint-Cloud, die bereits als römische Siedlung "Novigentum" existierte. Die lateinische Bezeichnung dieser Siedlung wurde im Französischen dann zu "Nogent". Der erst später entstandene Name Saint-Cloud leitet sich vom Merowinger "Clodoald" (Chlodoald), dem Sohn des Frankenkönigs von Orléans Clodomir und Enkel des großen Clovis I. ab. Der noch sehr junge Clodoald (522-560 n. Chr.) und seine beiden Brüder Thibault und Gonthaire sahen sich nach dem frühen Tod Ihres Vaters mit den Erbansprüchen ihrer Onkel Childebert und Clotar auf das Reich konfrontiert. Diese versuchten die Herrschaft über das Frankenreich an sich zu reißen und töteten Clodoalds Brüder. Er selbst entkam nur knapp, verzichtete auf sein Erbe und versteckte sich mit getreuen Anhängern in den Wäldern von Nogent, wo er fortan bis zu seinem Tod am 7. September 560 in einer neu gegründeten Siedlung als Priester lebte. Nach seinem Tod verehrte man ihn als den heiligen Prinzen und gab ihm den Namen "Saint-Clodoald", welcher im Laufe der Zeit zu Saint-Cloud wurde. Die Siedlung übernahm diesen Namen und gab ihn später an das Schloss weiter.

Auf den folgenden Seiten gehe ich auf die lange, abwechslungsreiche und interessante Entstehungsgeschichte des heute nicht mehr existierenden Château de Saint-Cloud ein. Mit seiner Zerstörung und dem Abbruch der verbleibenden Ruine verschwand ein einzigartiges Monument, das unzertrennlich mit den französischen Königshäusern und der Geschichte Frankreich verbunden war. Seit 2006 setzt sich die "Association Reconstruisons Saint-Cloud" unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Herrn Laurent Bouvet dafür ein, das Schloss zu rekonstruieren. Mehr zu diesem Projekt erfahren Sie auf der Sonderseite zur Association Reconstruisons Saint-Cloud.

• Nächster Abschnitt: Vom Hôtel d'Aulnay zur Maison de Gondi

Château de Saint-Cloud, Querschnitt des Corps-de-Logis Château de Saint-Cloud, Erdgeschoss Château de Saint-Cloud, erste Etage Château de Saint-Cloud, zweite Etage Château de Saint-Cloud, dritte Etage Château de Saint-Cloud, vierte Etage
Gebäude

Château de Saint-Cloud,
ehemaliges Hôtel d'Aulnay,
Maison de Gondi und Maison Hervat;

Auftraggeber (u.a.):

Jérôme de Gondi,
Barthélemy Hervat,
Philippe I. d'Orléans,
Marie-Antoinette;

Architekt/-en (u.a.):

André Lepautre,
Hausarchitekt von Philippe I. d'Orléans;

Jean Girard,
Durch André Lepautre beschäftigter Unternehmer;

Jules Hardouin-Mansart,
Erster Hofarchitekt unter Louis XIV.;

Richard Mique,
Erster Hofarchitekt unter Louis XVI.;

Gartengestaltung (u.a.):

Thomas Francine;

André Le Nôtre,
Gartenbauarchitekt unter Louis XIV.;

Innengestaltung (u.a.):

Pierre Mignard;

François Lemoyne;

Jean Nocret,
Erster Maler von Philippe I. d'Orléans;

Bauphasen (u.a.):

nach 1577 bis 1655,
Ummantelung des Hôtel d'Aulnay und schrittweiser Ausbau sowie Erweiterung der Gärten durch die Familie de Gondi;

1655 bis 1658,
Großzügiger Ausbau und Erweiterung der Gärten durch Hervat;

ab 1658,
Erweiterung und Verschönerung der Gärten durch Philippe I. d'Orléans;

nach 1671,
Erweiterungen am Südflügel, Anfügen des Nordflügels und Ausbau des Corps de Logis durch Philippe I. d'Orléans;

1787-1788,
Erweiterung und Umbauten an Corps de Logis und Südflügel durch Marie-Antoinette;

Status:

1870 im deutsch-französischen Krieg durch ein Feuer zerstört und 1891 abgetragen. Der Schlosspark ist bis heute erhalten.

Quellenverzeichnis (u.a.):
• Association Reconstruisons Saint-Cloud

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