Yolande Martine Gabrielle de Polastron

Duchesse de Polignac

Vertaute Marie-Antoinettes und Sinnbild der verschwendungssüchtigen Aristokratie.

Yolande Martine Gabrielle de Polastron, Duchesse de Polignac - Signatur
Person

Yolande Martine Gabrielle de Polastron, Duchesse de Polignac;

8. September 1749,
Paris;

9. Dezember 1793,
Wien;

Dynastie:

Familie der Grafen de Polastron,
Elternhaus;

Familie der Grafen de Polignac,
durch Heirat;

Titel (u.a.)

Comtesse de Polastron,
durch Elternhaus;

Comtesse de Polignac,
ab 1767, durch Heirat;

Marquise de Mancini,
ab 1767, durch Heirat;

Duchesse de Polignac,
ab 1780;

Première femme de chambre de la Reine,
1782 (?)-1785;

Gouvernante des enfants royaux,
1782-1785;

Eltern

Jean François Gabriel
Comte de Polastron,
Seigneur de Noueilles, Venerque
und Grépia;

Jeanne Charlotte Hérault,
Tochter von René Hérault, Polizeipräfekt der Stadt Paris;

Ehemann

Jules de Polignac,
Comte de Polignac,
Marquis de Mancini,
Capitaine du Régiment de Royal-Dragons,
1er Duc de Polignac,
∞ 1767;

Am Hof von Versailles

Aufstieg der Familie de Polignac

Dolande Martine Gabrielle de Polastrongehörte zum direkten Kreis von Marie-Antoinette und war für einen längeren Zeitraum ihre engste Vertraute, erste Kammerfrau der Königin und die Gouvernante ihrer Kinder. Unmittelbar vor der Revolution galt sie als die Verkörperung des beim Volk verhassten egoistischen und verschwendungssüchtigen Adeligen schlechthin.

Die Duchesse de Polignac wurde in der ersten Hälfte der 1770er Jahre von Ihrer Schwägerin, der Comtesse "Diane Louise Augustine de Polignac" (1746–1818) am Hof von Versailles eingeführt. Von nun an ging ihre Hofkarriere in schnellen Schritten voran. Bereits 1775 traf sie auf Marie-Antoinette und stand durch Ihre Art umgehend in der Gunst der Königin. Sie verdrängte nach und nach die vorherige Vertraute der Königin und Intendantin des königlichen Haushalts, "Marie-Louise de Savoie-Carignan, Princesse de Lamballe“ (1749-1792) und nahm deren Platz im ganz engen Kreis um die Königin ein. Womit sich ihr nun alle Möglichkeiten von Einflussnahme eröffneten. Denn die so gewonnene Nähe zur Königin brachten Yolande Martine Gabrielle de Polignac und Ihrer Familie ab diesem Zeitpunkt mehr und mehr Vorteile ein. So wurden Mitgliedern Ihrer Familie begehrte Posten und lukrative Stellungen zugeschoben und der Einfluss sowie das Vermögen der Familie wuchsen um ein vielfaches - auch auf Kosten von Hof und Staat. So zahlte Louis XVI. der ersten Tochter der Duchesse de Polignac im Jahre 1779 eine Aussteuer von 800 000 Livres [vgl. BA 0001], was nach dem Stand von 2006 umgerechnet ca. 6,4 Millionen Euro sind. Auch die Schulden des Paares in Höhe von 400 000 Livres beglich er aus seinem Trésor Royal.

Im Jahr 1780 wurde ihr Ehemann, der Kapitän des Régiment de Royal-Dragons, "Jules François Armand de Polignac" (1745–1817) vom Grafen in den Stand eines Herzogs ernannt, womit die Polignac von der Comtesse (Gräfin) zur Duchesse (Herzogin) wurde. Auch ihr politischer Einfluss wuchs im Laufe der Zeit. Beim Adel am Hof von Versailles und dem französischen Volk schürte dieser Einfluss jedoch viele Neider und Mißgunst. Der alte Adel betrachtete Gabrielle de Polastron als Emporkömmling niederen Standes und die größtenteils arme und von der Steuerlast erdrückte Bevölkerung mußte mit ansehen wie sich die Familie de Polignac bereicherte. Sogar Marie-Antoinette war diese Habgier ab einem gewissen Zeitpunkt zu viel. Sie betrachtete das fordernde Auftreten als arrogantes Verhalten gegen ihre Stellung als Königin. Ab 1785 holte sie Jeanne-Louise-Henriette Campan (1752-1822) in ihren engsten Kreis. Diese wurde nun Première femme de chambre und ersetzte die in Mißgunst gefallene Duchesse de Polignac in all ihren vorher zugestandenen Aufgaben. Die Herzogin kehrte Versailles in dieser Zeit den Rücken und bereiste England.

Die Duchesse de Polignac. Portrait von Vigée Lebrun Yolande Martine Gabrielle de Polastron, Duchesse de Polignac Portrait der Herzogin de Polignac
Die nahende Revolution

Niedergang der Duchesse de Polignac

Als sich die ersten Anzeichen eines Umbruchs in Frankreich bemerkbar machten und sich ein Teil des Volkes offen gegen die Herrschaft des Adels auflehnten, galt die Duchesse de Polignac als Kopf der Ultra-Royalisten am Hof von Versailles. Diese lehnten es kategorisch ab, dem dritten Stand auch nur die geringste Form eines Entgegenkommens zu zugestehen. Ihr Ansehen bei Marie-Antoinette und bei Hofe war in der Zwischenzeit wieder gewachsen. Zusammen mit dem Bruder des Königs "Charles-Philippe d’Artois" (1757-1836, späterer Charles X.) und Louis Auguste Le Tonnelier, Baron de Breteuil (1730-1807) konnte sie schließlich die Königin davon überzeugen, sich dafür stark zu machen den Finanzminister "Jacques Necker" (1732-1804) wieder aus seinem Amt zu entlassen. Dieser war 1788 zum zweiten mal zum Generaldirektor der Finanzen berufen worden um die Staatsfinanzen zu sanieren. Weil Necker beim französischen Volk sehr beliebt und dessen Hoffnung auf weitreichende Reformen war, war der Entschluss seiner Entlassung einer der vielen kleinen Funken, die am 14. Juli 1789 den Sturm auf die Bastille entzündeten.

Umgehend nach diesem besorgniserregenden Ereignis in Paris flüchtete die Herzogin mit Ihrer Familie vor den Revolutionären in die Schweiz, da sich ein Großteil des Volkszorns auch gegen Sie persönlich richtete. Denn die Bevölkerung wußte ja nur zu gut um das viele Geld, welches von ihr und ihrer Familie aus der Staatsschatulle zusammengehäuft wurde und wie gut und luxuriös sie auf Kosten des Staates gelebt hatten. Die Königin unterstützte die Familie selbst in diesem Moment noch mit einer Zuwendung von 500 louis d'or. Sie traf Marie-Antoinette nie wieder, hielt aber noch Briefkontakt mit der seit dem 6. Oktober 1789 im Palais du Tuileries in Paris untergebrachten Königin. Yolande Martine Gabrielle de Polastron verstarb im November 1793 in Wien an Krebs – nur knapp zwei Monate nach der Hinrichtung ihrer einstigen Gönnerin und Freundin Marie-Antoinette d'Autriche [vgl. BÜ 0005].

Heute ist das Bild der Duchesse de Polignac durch die Revolution und mehr oder weniger wahrheitsgetreuen Aussagen von Zeitzeugen stark getrübt, jedoch ordnen die Historiker Pierre de Ségur und Pierre de Nolhac die angeblich allein durch Gabrielle de Polastron verursachten Probleme eher ihrer Familie und dem Gefolge zu.

Nachkommen

Mit ihrem Mann zeugte Yolande de Polastron vier Nachkommen, wobei ihr zweites Kind auch einer Affäre mit dem Comte de Vaudreuil entsprungen sein könnte:

  • Aglaé Louise Françoise Gabrielle,
    genannt Guichette,
    ❈ 07.05.1768  –  ✝ 30.03.1803
    ∞ 11.07.1780 Antoine VIII.,
    Duc de Gramont, Duc de Guiche;
  • Armand Jules Marie Héracle,
    ❈ 07.01.1771  –  ✝ 01.03.1847
    ∞ 06.09.1790 Ida Johanna von Neukirchen
    und Nivenheim;
  • Jules Auguste Armand Marie,
    ❈ 14.03.1780   –  ✝ 29.03.1847
    ∞ 06.07.1816 Barbara Campbell
    ∞ 03.06.1824 Mary Charlotte Parkyns,
    franz. Premierminister 1829/30;
  • Camille Henri Melchior,
    ❈ 27.12.1781  –  ✝ 02.02.1855
    ∞ 01.10.1810 Marie Charlotte Calixte Alphonsine le Vassor de la Touche;
Relevante Stücke

Übersicht aller Objekte meiner Sammlung, die sich auf Madame de Polignac beziehen:

Literatur und Medien

Hier habe ich einige Links zu informativen Büchern und Filmen zusammengestellt:

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