Die "Charge"

Ein vom König verliehenes Amt auf Lebenszeit

Ämter, Posten und Dienstgrade in der Verwaltung, am Hof von Versailles und beim Militär

Der Name "Charge" stammt vom französischen "charger" = 'beladen', 'beauftragen' ab und bezeichnet während des französischen Ancien Régime ein vom jeweiligen König verliehenes Amt oder einen Posten. Eine Charge dieser Art wurde dem Inhaber auf Lebenszeit zugeteilt. Im Gegensatz zu anderen vom König erworbenen Ämtern, war eine Charge jedoch nicht vererbbar, sondern endete mit dem Ausscheiden oder Tod des Amtsinhabers. Trotz dieser Regelung wurden die erworbenen Chargen dennoch auf Anordnung des Königs innerhalb der Familie weitergegeben oder sogar getauscht. Nur wenn der Inhaber in Ungnade viel oder der König starb, musste um das lukrative Amt und all die damit verbundenen Vorteile gefürchtet werden.

Da eine Charge auf Lebenszeit galt und dementsprechend ein gutes Einkommen sowie einen festen Platz im weitläufigen Gefüge um den König sicherte, war sie bei den Höflingen am Château de Versailles ein sehr begehrtes und prestigeträchtiges Amt, das oftmals frei oder durch Bestechung erkauft wurde und für dessen Zuteilung man keine Mühen scheute die anderen Mitbewerber auszustechen. Denn eine Charge versprach nicht nur finanzielle Vorteile, sie zeigte je nach Art auch die Gunst des Königs und je nach Position ermöglichte sie auch Einflußnahme auf gewisse Bereiche.

Desweiteren ist die Charge während des Ancien Régime auch ein mittlerer bis höherer Dienstgrad beim Militär und dementsprechend ein ebenso begehrenswerter Posten.

Ein gutes Beispiel für die enormen Aufstiegsmöglichkeiten, die eine Charge bieten konnte, ist Jean-Baptiste Colbert. Sein Vater Nicolas Colbert, ein Tuchhändler aus Reims, erkaufte seinem Sohn im Jahre 1640 die Charge des "Commissaire ordinaire des Guerres". Mit diesem Amt arbeitete Colbert im Kriegsministerium als Gehilfe des Staatssekretärs François Sublet de Noyers (1588-1645). Bereits fünf Jahre später wurde er von Saint-Pouange beim Staatsrat Michel Le Tellier, Marquis de Barbizieux (1603-1685) empfohlen und erst als Privatsekretär und ab 1649 als Conseiller du Roi in dessen Dienste überstellt. Le Tellier wiederum stellte Colbert im Jahre 1651 dem regierenden Minister Cardinal Jules Mazarin vor, der ihn als privaten Vermögensverwalter einstellte und ihn wiederum an den König Louis XIV. weiterempfahl. Ab 1661 arbeitete er als "Intendant des Finances" und am 12. Dezember 1665 wurde Jean-Baptiste Colbert schliesslich zum "Contrôleur général des Finances de France", zum Finanzminister, der den französischen Staatshaushalt sanierte, die Wirtschaft zum Blühen brachte und den Merkantilismus begründete, an dem sich noch unsere heutige Wirtschaft orientiert.

Relevante Stücke

Beispiel Objekt, bei dem der König eine solche Charge ausschreibt:

Literatur und Medien

Hier habe ich einige Links zu informativen Büchern und Filmen zusammengestellt:

Hinweis: Die Stücke meiner Sammlung stehen grundsätzlich erst einmal nicht zum Verkauf. Diese Website stellt nur ein Online-Archiv dar. Sie haben Fragen?