Plan général de Marly

Umgebungsplan mit dem Schloss, Pavillons, Parkanlage,
Reservoirs und Aquädukt von Louveciennes

Nicolas de Fer, 1705

Nicholas de Fer - Karte Umgebungsplan Château de Marly

Dieser colorierte Umgebungsplan des königlichen Kartographen Nicolas de Fer (1646-1720) aus dem Jahr 1705 zeigt die Gesamtanlage des Château de Marly. Das Schloss wurde von Louis XIV. (1638-1715) bereits in Auftrag gegeben, bevor er sich dazu entschied das kleine Jagdschloss seines Vaters Louis XIII. in Versailles zur neuen Residenz des französischen Hofes ausbauen zu lassen. Sein Architekt Jules Hardouin-Mansart errichtete das Lustschloss zwischen 1679 und 1686 bei der kleinen Ortschaft Marly, welche daraufhin in "Marly-le-Roi" umbenannt wurde. So wie das Château de Versailles für den gesamten französischen Hofstaat und der Grand Trianon im Park von Versailles für den König gedacht war, so stand das Château de Marly für den engsten Kreis von Personen um Louis XIV. Denn hier hatte man nur auf persönlichen Wunsch und direkte Einladung des Königs zutritt. Das strenge Versailler Hofzeremoniell war so weit gelockert, das sich sogar seine Schwägerin "Élisabeth Charlotte d'Orléans" [vgl. BÜ 0001] verwirrt von den – für Ihren Stand damals ungewohnten – "freundschaftlichen" Umgangsformen untereinander und zum König zeigte. Höflinge die gar nicht oder nicht mehr nach Marly eingeladen wurden wenn Ludwig hier verweilte, waren sich sofort ihrer geringen Stellung bei Hofe oder der Meinung des Königs über sie bewußt. Genau im Gegenteil dazu konnte sich jeder Eingeladene der Gunst Ludwigs sicher sein.

Historische Karte des Château de Marly von Nicholas de Fer Schloss Château de Marly
Umgebungsplan

[Magazin-N°: LA 0005]

Plan général de Marly;

Kartograph:

Nicolas de Fer
Kartograph des Dauphins und später königlicher Geograph unter Louis XIV.;

Graveur:

Herman van Loon (?);

Publikationsdatum:

um 1705, Paris;

Druck:

Kupferstich, coloriert;

Bogengröße:

ca. 397 x 292 mm;

Plattengröße:

ca. 387 x 280 mm;

Erhaltung:

Mittelfalz. Einige Knicke, leicht fleckig, Restaurationsspuren, sonst schön erhalten;

Die Gesamtanlage des Schlosses von Marly wurde zwischen zwei steil abfallenden Hängen errichtet und bestand aus dem "Pavillon Royal" mit seiner vergoldeten Kuppel für den König und zwölf kleineren Pavillons für Gäste des Königs. Diese waren in zwei Reihen parallel zu einem großen Bassin angeordnet und führten vom Hauptgebäude weg. Hinter den Pavillons waren jeweils kleine Gartenanlagen angelegt. Die Ausstattung der kleinen Pavillons entsprach der des königlichen Pavillons, dessen Kuppel in der Sonne erstrahlte. Umgeben war die Anlage von einem großzügigen Park, dessen Besucher Augenweide mit Sicherheit das Wasserspiel der monumemtalen Kaskade hinter dem Pavillon Royal war (auf der Karte zentriert in der oberen Hälfte blau eingezeichnet). Die hier erstmals zum Einsatz gekommene aufgelockerte Bauweise mit den freistehenden Pavillons verbreitete sich über den gesamten europäischen Kontinent und so wurde das Château de Marly zum Vorbild für viele königliche Bauwerke des Barock.

Nicholas de Fer - Karte Umgebungsplan Château de Marly mit Pavillon Royal

Auf dem Plan sind oben links die großen Wasserreservoirs "Grand Reservoir du Trou d'Enfer" und "Reservoir de la Ramasse" zu erkennen (siehe auch Vergleich unten). Diese wurden, wie der Park von Versailles, über die Maschine von Marly [vgl. LA 0002] mit Wasser aus der Seine gespeist und versorgten, abhängig vom Aufenthaltsort Ludwigs XIV., wahlweise die große Kaskade und die Brunnen in den Gärten des Schlosses von Marly oder die unzähligen Brunnen und Fontainen des Château de Versailles. Am linken Bildrand der unteren Hälfte ist das Aquädukt von Luciennes (heute Louveciennes) eingezeichnet. Mansart errichtete nach der dauerhaften Verlegung des Hofes von Paris nach Versailles dieses 23 Meter hohe und 640 Meter lange Bauwerk in den Jahren 1681 bis 1685, um die Wasserversorgung der beiden großen Schlossgärten so gut wie möglich gewährleisten zu können. In späteren Jahren wurde der Ort Louveciennes durch eine berüchtigte Einwohnerin noch bekannter als durch das Aquädukt. Der König Louis XV. schenkte seiner Maitresse Marie-Jeanne Bécu, Comtesse du Barry (1743-1793) das Château de Louveciennes. Sie bewohnte es bis kurz vor ihrer Hinrichtung während der französischen Revolution am 08. Dezember 1793.

Das Château de Marly seit der Revolution

Erhaltene Teile des einstigen Lustschlosses.

Nach der Revolution verfiel das Château de Marly, da es nach der Hinrichtung von Louis XVI. und Marie-Antoinette im Jahre 1793 [vgl. BÜ 0005] nicht mehr genutzt wurde. Auch der Verkauf an einen Fabrikanten konnte diesen Verfall nicht aufhalten, da seine Baumwollfabrik bereits 1806 in Konkurs ging. Das Anwesen wurde daraufhin durch Napoleon wieder für die staatliche Nutzung erworben, die Gebäude aber im Jahre 1816 letztendlich doch abgetragen.

Heute sind nur noch einige Fundamentreste, das große Bassin und die Pferdetränke sowie kleine Teile der ursprünglich weitläufigen Parkanlagen erhalten. Aus der Luft erkennt man jedoch noch sehr gut die ehemalige Gesamtanlage mit den jeweiligen Gebäudestandorten, den Bassins und den Brunnenanlagen. Auch den Verlauf der alten Wege und der Alleen im und um den Park kann man sehr leicht ausmachen. Vom ehemaligen Standort der Kaskade bis hin zur Pferdetränke "L' Abreuvoir" hinterlassen die topografischen Begebenheiten des Areals auch heute noch einen tiefen Eindruck vom ehemaligen Glanz dieses Lustschlosses, das beim französischen Kulturministerium (Ministère de la Culture) als "Monument Historique", also als architektonisches Erbe Frankreichs eingestuft ist.

Satellitenaufnahme des Standortes vom Schloss von Marly

Von der einstigen Pracht zeugen heute noch die berühmten Pferde von Marly. Die zwischen 1739 und 1745 von "Guillaume Coustou (1677-1746)" aus Carrara Marmor angefertigten Originale wurden 1794 von der Pferdetränke in Marly entfernt und am Eingang zur Champs Elysées auf der damaligen Plaçe de la Revolution (Plaçe de la Concorde) aufgestellt. Die Skulpturen auf dem Platz wurden dann 1984 gegen Kopien aus Zement getauscht und die Originale in den Louvre verbracht. Dort können Sie heute in der Cour Marly besichtigt werden. Auch die großen Wasserreservoirs und das Aquädukt blieben erhalten, sie prägen immer noch eindrucksvoll das Landschaftsbild.

Pferde von Marly - Guillaume Coustou - Louvre Pferde von Marly - Guillaume Coustou - Louvre

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