Drei Karten mit dem geplanten Verlauf des Canal de l'Eure

Wasser für die Bassins und Fontainen des Château de Versailles.

Nicolas de Fer, 1694

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Canal de l'Eure, Nicholas de Fer, Introduction a la Fortification 1694
Canal de l'Eure: Kanalzulauf am Fluss Eure bei Pontguin
Plan nach Sébastien Le Prestre de Vauban
Canal de l'Eure, Nicholas de Fer, Introduction a la Fortification 1694
Canal de l'Eure: Aquädukt von Maintenon
Plan nach Sébastien Le Prestre de Vauban
Canal de l'Eure, Nicholas de Fer, Introduction a la Fortification 1694
Canal de l'Eure: Verteilung des Wassers auf die Reservoirs von Versailles
Plan nach Sébastien Le Prestre de Vauban

Diese drei colorierten Karten des königlichen Kartographen Nicolas de Fer aus dem Jahr 1694, zeigen den Verlauf des von Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707) geplanten Canal de l'Eure oder auch Canal Louis XIV. Dieser stellte, neben dem eigentlichen Bau des Château de Versailles, eines der größten zum Schloss zugehörigen Bauprojekte dar. Der ca. 80 Kilometer lange, offen verlaufende aber unschiffbare Kanal – der auch als Kanal Louis XIV. bezeichnet wird – sollte den Fluss Eure mit mehreren großen Wasserreservoirs beim Schloss verbinden. Der einizige Zweck dieses Vorhabens war, den immensen Wasserverbrauch der Schlossgärten mit den großen Bassins und Fontainen zu stillen, da das Château in einem geografisch sehr trockenen Gebiet liegt [vgl. GR 0007] und es im näheren Umkreis nicht genug natürlich vorkommendes Wasser für die Vorhaben Ludwigs gab. Ganz nebenbei sollter der Kanal auch den Landsitz der Madame de Maintenon, Maîtresse-en-titre und zweite Ehefrau des Königs, mit Wasser versorgen, welcher auf halber Strecke des Kanals lag. Bereits 1681 wurde deshalb mit dem Bau der Maschine von Marly [vgl. LA 0002] begonnen, die das benötigte Wasser aus der Seine fördern sollte. Jedoch war dieser Fluss, der vor Versailles bereits die gesamte Großstadt Paris mit Wasser versorgen musste, schon bald am Ende seiner Kapazitäten.

Canal de l'Eure - Canal Louis XIV. - N. de Fer Canal de l'Eure - Canal Louis XIV. - N. de Fer Canal de l'Eure - Canal Louis XIV. - N. de Fer
Umgebungsplan

[Magazin-N°: LA 0006 a/b/c]

Carte particuliere du Nouveau Canal fait pour la conduitte de la riviere d'Eure, depuis Pontguin jusques a Versailles/
Einzelblatt aus dem Werk: "Introduction a la Fortification";

Kartograph:

Nicolas De Fer
Geograph des Dauphins und später königlicher Geograph unter Louis XIV.;

Graveur:

--;

Publikationsdatum:

um 1694, Paris;

Druck:

Kupferstich, coloriert;

Bogengröße:

ca. 307 x 233 mm/ je Karte,
Gesamtmaß 921 x 233 mm;

Plattengrößen:

ca. 282 x 210 mm,
ca. 278 x 208 mm,
ca. 267 x 203 mm;

Erhaltung:

Minimal gebräunt und fleckig, je ein durchlaufender Knick, kleine Randschäden sonst altersgerecht guter Zustand;

Dem Kriegsminister François Michel Le Tellier, Marquis de Louvois wurde nach dem Tod von Jean-Baptiste Colbert im September 1683 dessen Amt des "Surintendant des Bâtiments, Arts et Manufactures de France" übertragen. Louvois begann im Auftrag von Louis XIV. zu prüfen, ob es möglich wäre das Wasser des Flusses Eure über einen Kanal, Tunnelanlagen und einen 17 Kilometer langen Aquädukt zu mehreren Weihern auf der Ebene von Yvelines bei Versailles zu schaffen.

Die federführende Planung zur Verwirklichung dieses gigantischen Vorhabens übernahm dann aber Sébastien Le Prestre de Vauban. Dieser war Generalkommissar der französischen Festungsanlagen (Commissaire général aux fortifications) und wurde nun mit der zusätzlichen Aufgabe betraut, die Möglichkeiten einer gesichterten und konstanten Wasserversorgung der königlichen Parkanlagen auszuarbeiten und umzusetzen. Er verfeinerte Louvois' Pläne, wählte einen effektiveren Verlauf für den Kanal und verwarf den monumentalen Aquädukt im Euretal. Dafür plante er einen 1000 Meter langen, kleineren Aquädukt bei Saint-Germain-la-Gâtine und einen weiteren mit einer Länge von 4990 Metern bei Maintenon. Dieser sollte die Eure in ca. 70 Metern Höhe auf mehreren übereinander gesetzten Arkadenreihen, bestehend aus 242 Bögen, kreuzen.

An der Stelle des geplanten Aquädukts befindet sich der Fluss durch seinen natürlichen Lauf zwar in relativer nähe zum Schloss von Versailles, da er auf dieser Höhe jedoch durch ein Tal verläuft, wäre es ohne den Einsatz von hydraulischen Pumpen nicht mögllich gewesen das Wasser bereits bei Maintenon zu entnehmen. Diese Möglichkeit ergab sich erst knapp 39 Kilometer weiter südwestlich bei Pontguin. Hier liegt der Verlauf der Eure ungefähr 27 Meter höher als das Schloss von Versailles. Diese Begebenheit brachte den Kanal auf eine für seinen Zweck monumentale Gesamtlänge von 80 Kilometern und ließ ihn auf dem Weg zum Schloss aus technischen Gründen unvermeidlicherweise noch einmal den ihn mit Wasser speisenden Fluß überqueren.

Insgesamt sollte der Kanal die Eure über diverse Schleusen und die zwei Aquädukte mit dem bei Rambouillet gelegenen Étang de la Tour verbinden. Von dort aus führte der geplante Kanalverlauf abwechselnd in 6 oberirdischen und 8 unterirdischen Abschnitten über mehrere Weiher erst in den schon hinter der Begrenzungsmauer des ehemaligen Grand Parc von Versailles gelegenen und heute noch als Frischwasserreservoir genutzten großen Estang de Trappes (Étang de Saint-Quentin) und von dort aus weiter in den nördlich davon, bei St. Cyr gelegenen Estang Darey. Von diesem Reservoir aus sollte ein Tunnel das Wasser in einiger Entfernung südlich am Petit Parc des Schlosses und an Satory vorbei führen und nach einem Bogen östlich vor dem Becken der Schweizer Garde in Versailles enden.

Beginn der Bauarbeiten

und das schnelle Ende eines kolossalen Bauprojektes.

Die Bauarbeiten begannen im Mai 1685 und verschlangen Unmengen an Geld. Zu Beginn waren lediglich 1800 Arbeiter mit dem Aushub beschäftigt, diese Zahl stieg jedoch stetig. Nachdem schon Ludwigs wirtschaftlich denkender Finanzminister Colbert bereits während der ersten Planungsarbeiten mehrfach die hohen Kosten des Kanals beim König anprangerte, wurden um die Ausgaben tatsächlich zu senken nach Colberts Tod über Louvois zusätzliche 22.000 Soldaten für die Bautätigkeiten herangezogen, die in der bei Baubeginn vorherrschenden Friedenszeit ohne Aufgabe in den Kasernen saßen. So arbeiteten zu Höchstzeiten um die 30.000 Frauen und Männer auf der Kanalbaustelle, von denen während einer Malaria-Epedemie im Jahre 1687 rund 6.000 Zivilisten und Soldaten starben.

Durch den Einsatz der Soldaten, die in Friedenszeiten oft für große Projekte herangezogen wurden, sinken die Ausgaben zwar wieder, jedoch sollte genau diese Sparmaßnahme dem Kanal nur drei Jahre später zum Verhängnis werden. Wegen des pfälzischen Erbfolgekrieges gegen die Liga von Augsburg mussten schon im Jahr 1688 alle Soldaten wieder abgezogen werden und die Arbeiten wurden aus Kostengründen bis auf Weiteres eingestellt. Im Jahre 1691 starb mit Louvois der Initiator des Projektes und nach Kriegsende im Jahre 1697 lag der französische Staatshaushalt weitestgehend am Boden. Trotz der bis dato getätigten Investition von ungefähr 9 Millionen Livres [vgl. BA 0001], welche für den bisherigen Aushub des Kanals, die bereits fertiggestellten Tunnel und die verwirklichte untere Arkadenreihe des Aquädukts bei Maintenon (955 m Länge und 28,5 m Höhe) ausgegeben wurden, werden die Bauarbeiten nie wieder aufgenommen, weshalb der Canal de l'Eure bis heute unvollendet geblieben ist. Die bis 1688 fertiggestellten Abschnitte, einige Tunnel und Aquäduktteile sind jedoch bis heute erhalten.

Einen Teil der im Petit- und im Grand-Parc von Versailles tatsächlich benötigten Wassermenge die Vaubans Kanal liefern sollte, wurde mit Maschine von Marly aus der 132 Meter tiefer gelegenen Seine gefördert. Diese schaffte mit maximal 3200 Kubikmetern Wasser pro Tag jedoch nicht nur einen verschwindend geringen Teil der Menge die der Eure-Kanal geliefert hätte, sondern lag auch weit unter der Fördermenge, die durch sie alleine bewältigt werden sollte.

Canal de l'Eure - Canal Louis XIV. - N. de Fer

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