Lettres Patentes du Roi,

bezüglich der Sanktion der Nationalversammlung hinsichtlich der Gelübde in allen Klöstern des einen und des anderen Geschlechts.

Louis XVI. - Montabaun, 1789

Lettres Patentes du Roi Louis XVI. - Montabaun, 1789

Lettres Patentes des Königs Louis XVI., welcher, seitdem er und seine Familie am 6. Oktober 1789 vom Château de Versailles [vgl. PB 0002] nach Paris gebracht worden sind, seit nunmehr 26 Tagen in den Tuilerien in Paris untergebracht ist. Mit diesem offenen Brief vom ersten November, stimmt er dem Dekret der Nationalversammlung vom Dienstag, den 28. Oktober 1789 zu, welches die Klärung der Frage bezüglich der Gültigkeit aller "Klostergelübte des einen oder anderen Geschlechts" bis auf Weiteres verschiebt. Somit wird über das eingebrachte Dekret, welches genau diese Gelübde für ungültig erklären soll, erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Louis XVI. - Portant Sanction du Décret de l'Assemblée Nationale Lettres Patentes du Roi - l´emission des Vœux, dans tous les Monasteres Louis XVI. - Lettres Patentes du Roi
Lettres Patentes

[Magazin-N°: LP 0001]

Portant Sanction du Décret de l'Assemblée Nationale, concernant l´emission des Vœux, dans tous les Monasteres de l´un & de l´autre sexe;

Verfasser:

Louis XVI.;

Niederschrift:

01. November 1789,
gegeben zu Paris;

Signatur (gedruckt):

Louis,
für Louis XVI.;

Kontrasignatur (gedruckt):

Saint-Priest,
wahrscheinlich François-Emmanuel Guignard Comte de Saint-Priest,
Secrétaire d'état,
Ministre de l'Intérieur;

Siegel (gedruckt):

Grand sceau de cire jaune;

Sprache:

französisch;

Verlag/ Druck:

Vincent Teulieres,
Seul imprimeur du Roi,
Montabaun/ Frankreich 1789;

Format:

202 x 247 mm,
geschlossenes Format;

Umfang:

4 Seiten,
davon 2 bedruckt,
Vergé-Papier;

Deckblatt:

Wappen mit Krone und den drei fleur-de-lys;

Erhaltung:

leicht stockfleckig, sonst schön erhalten;

 

Im Sommer des Jahres 1789 stand ein großer Teil des niederen französischen Klerus noch fest auf der Seite der Nationalversammlung und forderte die Abschaffung des feudalen Systems. Dies änderte sich jedoch in den Folgemonaten. Um der weiteren Staatsverschuldung entgegenzutreten und um schnellstmöglich an finanzielle Mittel zur Sanierung des Haushalts zu kommen, wurde von der Nationalversammlung der Einzug der Kirchengüter angeordnet. Man hoffte mit dem Verkauf der Ländereien den Staatshaushalt zu entlasten. In diesem Zusammenhang wurden ab Dezember 1789 auch die ersten Assignaten [vgl. BA 0001] herausgegeben.

Der Klerus musste nun jedoch feststellen, dass durch immer weitere Erlasse eine völlige Umstrukturierung des gesamten französischen Kirchenapparats geplant wurde. Definitive Entscheidungen konnten aufgrund der geistlichen Sitze in der Nationalversammlung vorerst immer wieder verschoben werden. Dieses belegen auch die hier vorliegenden Lettres Patentes vom ersten Novemver 1789, welche besagen, dass die "Frage bezüglich der klösterlichen Gelübde" verschoben wird (L'Assemblée Nationale ajourne la question sur les Vœx monastiques; ...). Allerdings geben sie weiterhin Auskunft darüber, dass eine Änderung des Status Quo nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Denn trotz der Vertagung des Beschlusses wird die Gültigkeit der Klostergelübte vom kommenden Dekret abhängig gemacht.

Auflösung der Orden und Kongregationen.

Die entgültige Entmachtung der Kirche per Dekret.

Nationalversammlung, 13. Februar 1790

Trotz dieses kurzen Aufschubs erließ die Nationalversammlung drei Monate später, am 13. Februar 1790, dann endgültig und gegen den Protest der geistlichen Abgeordneten das Dekret, welches die völlige Neuordnung der Kirche einleitete. Alle Kirchengüter wurden konfisziert. Darüber hinaus erklärte das Gesetz die bis dato feierlich abgelegten Klostergelübte beider Geschlechter für ungültig und erkannte diese nicht weiter an. Es verankerte eine Bestimmung, dass auch künftig keine neuen Gelübde dieser Art mehr abgelegt werden konnten und das dieser Beschluss nicht umgekehrt werden konnte. Infolgedessen wurden alle französischen Klöster, Orden und Kongregationen aufgelöst und eine Neugründung per Gesetz unterbunden. Ausgenommen waren hiervon alle Orden, die in der Erziehung oder im Bereich der Krankenpflege tätig waren.

Priester mussten ab sofort ihren Eid erneut ablegen, nicht auf Gott und den Papst in Rom, sondern auf die neu eingeführte Zivilkonstitution des Klerus. Alle Mönche und Nonnen mussten sich fortan bei den Behörden registrieren lassen und erhielten ein Einkommen durch den Staat. Anderenfalls durften Sie ihrem "Beruf" nicht mehr nachgehen und ihnen drohte eine Zeil lang sogar die Deportation.

Auch dem König sollte diese Änderung zum Verhängnis werden. Bei einem folgenden Dekret bezüglich dieser neu geschaffenen Staatskirche, die weder von Ludwig XVI. noch von Rom anerkannt wurde, das die Nationalversammlung im November 1791 annahm, machte der streng gläubige König von seinem Vetorecht gebrauch. Er verweigerte im darauf folgenden Dezember seine Unterschrift für dieses Dekret. Extreme Gruppierungen der Revolutionäre waren von diesem Verhalten ausgegangen und hetzten die Pariser Bevölkerung in den folgenden Monaten immer weiter gegen den konstitutionellen König und sein Vetorecht auf. Diese Stimmung gipfelte am 10. August 1792 im – wie zufällig entstanden wirkenden, aber dennoch aus dem Hintergrund gut organisierten – Tuileriensturm. Die königliche Familie musste aus dem Stadtschloss in die Nationalversammlung fliehen und fand dort während der Aufstände Schutz. Nachdem die Aufständischen jedoch die Schlacht für sich entschieden hatten und auf beiden Seiten hunderte von Toten zu beklagen waren, insbesondere bei den Schweizergarden des Königs, die versuchten den Palais des Tuileries und die dort verbliebenen Menschen zu schützen, schlug sich die Nationalversammlung auf die Seite der Aufständischen Pariser Commune. Der König wurde seines Amtes enthoben und samt seiner Familie im Temple von Paris eingekerkert.

Louis XVI. weigerte sich nach der Umwandlung der Kirche an Messen teilzunehmen, die von einem "staatlichen" Priester geführt wurden. Ebenso weigerte er sich vor seiner Hinrichtung am 21. Januar 1793 [vgl. BÜ 0005] die Sakramente von einem solchen Geistlichen zu empfangen. Trotz der von der Commune gegen seine Familie ausgeübten Repressalien der vergangenen Monate wurde im letztendlich doch noch die freie Wahl eines Priesters für diesen seinen letzten Weg gewährt.

Genauso und unabhängig von ihrem bereits hingerichteten Mann, verhielt sich die Königin Marie-Antoinette. In ihrem Abschiedsbrief an ihre Schwägerin Madame Élisabeth vermerkte sie in den frühen Morgenstunden vor Ihrer Enthauptung: "...Ich werde mich nun nur noch mit meinen geistlichen Pflichten befassen. Da ich nicht frei in meinen Entschlüssen bin, wird man mir vielleicht einen Priester (Anmerkung: der bereits seinen Eid auf die Nation abgelegt hat) zuführen. Aber ich erkläre hiermit, dass ich ihm kein einziges Wort sagen und ihn wie einen völlig Fremden behandeln werde.“ Jedoch wurde Marie-Antoinette, im Gegensatz zum König, vor der Hinrichtung kein Priester mehr zur Seite gestellt.

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