Lettres Patentes du Roi,

über die Ratifikation des Vertrages zur Aufhebung des Droit d'Aubaine zwischen dem französischen König und dem Kurfüsten von Sachsen.

Louis XVI. - Paris, 20. Juli 1776

Lettres Patentes von Louis XVI. zur Aufhebung der Droit d'Aubaine - 20. Juli 1776

Der französische König Louis XVI. macht mit diesen Lettres Patentes vom 20. Juli 1776 den von ihm und dem Kurfürsten Friedrich August III. von Sachsen beidseitig unterzeichneten Vertrag zur Abschaffung des "Droit d'Aubaine" zwischen Frankreich und Sachsen bekannt. Dieses seit der Zeit der Frankenkönige [vgl. BÜ 0008] vor allem in Frankreich aber auch in anderen Ländern gängige Heimfallsrecht gestattete der Krone oder anderen Landesherren den Einzug sämtlicher Güter eines verstorbenen Einwanderers oder Fremden, der in seinem Gastland keine legitimen Erben hinterließ. Dieses alte Feudalrecht verwehrte den Betroffenen sowohl das aktive als auch das passive Erbrecht und berief sich als Ausgleichszahlung auf den Schutz, der einem Fremden und somit rechtlosen durch ihren Schutzherren während ihres Aufenthaltes gewährt wurde. Seit dem Mittelalter galten als "Fremde" in diesem Falle all diejenigen, die sich in einem Land aufhielten aber dem jeweiligen Herrscher keine direkten Untertanen waren. Diese Personen besaßen durch das Droit d'Aubaine vor dem Gesetz faktisch keinerlei Erbrecht, was sie vor ernsthafte Probleme stellen konnte. Insbesondere Familien von Kaufleuten und Handwerkern aus anderen Ländern hatten oft das finanzielle Nachsehen, wenn ein Angehöriger während des Aufenthaltes in einem Gastland verstarb, in dem das "Droit d'Aubaine" geltendes Recht war.

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Lettres Patentes

[Magazin-N°: LP 0005]

Portant ratification entre le Roi & l`Electeur de Saxe, pour l´exemption réciproque du Droit d´Aubaine;

Verfasser:

Louis XVI.;

Niederschrift:

20. Juli 1776,
gegeben zu Versailles;

Registrierung:

06. Dezember 1776,
im Parlement Paris;

Signatur (gedruckt):

Louis,
für Louis XVI.;

Kontrasignaturen (gedruckt):

Amelot,
wahrscheinlich Antoine-Jean Amelot de Chaillou, Maître des requêtes,
Président du Grand Conseil,
Intendant de Bourgogne,
Intendant des Finances,
Secrétaire d'État à la Maison du Roi;

Dufranc,
Procureur Général du Roi;

Siegel (gedruckt):

Grand sceau de cire jaune;

Sprache:

französisch;

Verlag/ Druck:

P. G. Simon, Paris,
Imprimeur du Parlement;

Format:

188 x 237 mm,
geschlossenes Format;

Umfang:

8 Seiten,
davon 7 Seiten bedruckt,
Vergé-Papier;

Deckblatt:

Kupferstich Bourbonenwappen und zwei Engel mit Fanfaren;

Erhaltung:

sehr schön erhalten;

Die Einstellung in Bezug auf dieses königliche Anrecht änderte sich im Laufe der Zeit, vor allem aber im 18. Jahrhundert zur Zeit der Aufklärung. Einerseits hatte sich das Droit d'Aubaine im Laufe der Jahrhunderte zwar zu einem wirtschaftspolitisch wichtigem Faktor entwickelt, da dem Staat auf diese Weise viel Geld in die Kassen gespült wurde. Andererseits behinderte es aber auch den Handel zwischen den Ländern, Investitionen aus dem Ausland und die Einwanderung von benötigten Facharbeitern oder Finanziers, was grade im am Boden liegenden Frankreich zu Zeit von Louis XVI. einen möglichen Aufschwung ausbremste. Hinzu kamen die lauter werdenden Forderungen der großen Aufklärer, welche zum Wohle aller Menschen den Abbau von Hindernissen im internationalen Handelsfluss forderten.

In Frankreich verlangte die Krone ab einem gewissen Zeitpunkt "nur noch" einen fünfprozentigen Anteil der gesamten Erbmasse oder behielt sich das Recht vor, Ein- und Ausfuhrsteuern auf das gesamte mitgeführte Vermögen zu erheben. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurden unter Finanzminister "Clément Charles François de L’Averdy" (1724–1793) und Aussenminister "Étienne-François de Choiseul" (1719-1785) über sechzig einzelne Abkommen mit anderen Staaten geschlossen, welche die Aufhebung des Droit d'Aubaine zwischen Frankreich und dem jeweiligen Partnerland zusicherten. Die hier vorliegenden Lettres Patentes stellen also nur eines von vielen Abkommen dar und lassen beidseitig unterzeichnet das Droit d'Aubaine zwischen Frankreich und Sachsen entfallen.

Trotz der Vielzahl der Abkommen zur Aufhebung dieses alten Feudalrechts, zeigt jedes Einzelne die besonders engen politischen oder freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern. Man kann diese und ähnliche Übereinkünfte mit anderen Staaten im weitesten Sinne auch als eine Art Friedensvertrag oder Partnerschaft zwischen den Nationen betrachten.

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