Protestschrift gegen das über Louis XVI. gefällteUrteil

Der Autor wendet sich mit Bedenken über den bereits
geschehenen Königsmord an die französischen Bürger

Louis XVI. - Paris 1793

Protest gegen die Hinrichtung von Ludwig XVI - Protestation Presentée au peuple français contre le judgement de Louis XVI

Dieses Pamphlet aus dem Jahre 1793 richtet sich an die Bürger Frankreichs und ist ein nachträglicher Protest gegen die Verurteilung und Hinrichtung von Louis XVI. Der Verfasser protestiert "in seinem Namen, als "Mitglied des kollektiven Körpers der Nation, den am 21. Januar verübten Königsmord und das vorangegangene Urteil an. Er fragt, wer denn diese Prozessbevollmächtigten sind, die allmächtig und ohne Zustimmung des Volkes in einer "Eilmission" und in einem Akt absoluter Souveränität über die Verurteilung des Königs entscheiden können. Wer ihnen, den vom Volk Gewählten, das Recht gegeben hat, sich über die Sanktionen und Einwände der Menschen zu erheben und in dieser Angelegenheit alleine zu entscheiden und zu handeln. Er zeigt in seinem Pamphlet gegen das gefällte Urteil des Nationalkonvents auf, dass dessen Entscheidung und die Behandlung des Königs im Widerspruch mit dem allseitig verabschiedeten und für alle Franzosen gültigen Gesetz der Menschenrechte (Texte des droits de l’homme) steht. Dass das über den König gehaltene Gericht völlig unobjektiv sowohl Ankläger als auch Richter war und nicht, wie von vielen Seiten gefordert, eine separate richterliche Seite mit einer Zweidrittelmehrheit stellte. In seinen Augen fehlt dem verhängten Urteil jegliche Rechtsgrundlage, da es in Konflikt mit dem Strafgesetzbuch steht.

Der Verfasser warnt eindringlich vor den Folgen dieser bereits geschehenen Hinrichtung. Er weist auf die verbitterte Erinnerung an diesen gewaltsamen Tod im vermeintlichen Namen des gesamten Volkes hin, die Ludwigs Sohn, der Dauphin Louis Charles bei dessen Thronbesteigung in sich tragen wird. Er warnt auch vor den fremden Armeen, die nun über die Grenzen auf französischen Territorium einfallen könnten, um den König zu rächen.

Protest der französischen Bevölkerung gegen die Aburteilung und Hinrichtung von Louis XVI. Historische Publikation gegen die Hinrichtung von Ludwig XVI. Protestation contre le judgement de Louis XVI - Paris 1793
Publikation

[Magazin-N°: PB 0001]

"Protestation Presentée au peuple français contre le jugement de Louis XVI.";

Autor/ Verfasser:

nicht bekannt,
Pseudonym: Cic de Républ.;

Publikationsdatum:

1793;

Sprache:

französisch;

Verlag/ Druck:

Chez les Marchands de Nouveautés, Paris;

Format:

ca. 215 x 143 mm;

Umfang:

14 Seiten
ursprünglich genäht;

Material:

Vergé-Papier
ungeschnitten;

Einband:

Softcover/ Papiereinschlag mit zwei schönen Wasserzeichen;

Erhaltung:

sehr schön;

Extreme Revolutionäre wie Robespierre, Saint-Just oder Couthon, die im Monarchen, ja im Adel und Klerus überhaupt die Ausbeuter und Unterdrücker schlechthin sahen und den Terror gegen diese Stände als notwendiges Übel betrachteten, sowie der Teil des Volkes, der den Anschuldigungen, Pamphleten und Hetzkampagnen glaubte, war zwar für den Prozess und die Hinrichtung von Louis, nicht aber automatisch alle Franzosen.

Neben den in Frankreich verbliebenen Adeligen und denen welche ins Exil gegangen waren, darunter auch ein Großteil der königlichen Familie und des ehemaligen Hofstaates, waren auch nicht alle Bürger mit den Vorgängen der französischen Revolution und der Behandlung der königlichen Familie zufrieden. Zwar brachte die Revolution viele Reformen und Freiheiten für das Volk mit sich, jedoch forderte der Club der Jakobiner nicht nur weitere Einschränkungen und die stetige Überwachung des am 6. Oktober 1789 in den Palais des Tuilieres verbrachten Monarchen [vgl. PB 0002], sondern machte sich für die totale Abschaffung des Königtums stark. Die Repressalien gegen Louis XVI. und seine Familie wurden immer stärker. Nachdem im Juni 1791 die Flucht der Familie nach Montmedy in Varennes scheiterte [vgl. PB 0010], wurden die Zustände fast unhaltbar. Jedoch war an einen zweiten Fluchtversuch nun nicht mehr zu denken, da man den König und Marie-Antoinette von diesem Zeitpunkt an auf Schritt und Tritt beobachtete.

Indes wuchs von außerhalb der Druck auf das revolutionäre Frankreich. Insbesondere durch die Intervention bei den anderen europäischen Herrscherhäusern durch den Comte de Provence und den Comte d'Artois, den im Exil lebenden Brüdern des französischen Königs und der daraus resultierenden Pillnitzer Deklaration vom 27. August 1791 [vgl. PB 0023]. In dieser setzten sich der preußische König Friedrich Wilhelm II. und Kaiser Leopold II. das Ziel, „den König von Frankreich in die Lage zu versetzen, in vollkommener Freiheit die Grundlage einer Regierungsform zu befestigen, welche den Rechten der Souveräne und dem Wohle Frankreichs entspricht“.

Louis XVI. hingegen musste am 03. September 1791 die Verfassung und somit die Einrichtung einer konstitutionellen Monarchie als Repräsentant der Nationalversammlung durch seine Unterschrift für rechtskräftig erklären.

Im Jahr darauf wurde in Paris das Manifest des Herzogs von Braunschweig (Manifeste de Brunswick) bekannt, welches einen scharfen Text des im Koblenzer Exil befindlichen Comte Jérôme-Joseph Geoffroy de Limon enthielt. Dieses am 25. Juli 1792 im Namen des Herzogs Karl Wilhem Ferdinand zu Braunschweig und Lüneburg veröffentlichte Schriftstück drohte mit der "militärischen Exekution" der Stadt, sollte der königlichen Familie auch nur das kleinste Leid geschehen. Diese aggressive Drohung gegen die Stadt spielte den Jakobinern in die Hände, die dem König die Konspiration mit dem Feind und den Verrat an der Revolution vorwarfen.

Mit dem Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792 versuchte man die Monarchie gewaltsam zu stürzen. Der König und seine Familie wurden drei Tage später verhaftet und im Temple festgesetzt. Am 21. September wurde Louis XVI. abgesetzt und die erste Republik ausgerufen. Ab dem 11. Dezember machte man ihm den Prozess vor dem Nationalkonvent, welcher durch Maximilien Robespierres Ausruf „Wenn nicht der König schuldig ist, dann sind es die, die ihn abgesetzt haben“ in eine Zwangslage versetzt wurde. Als Richter und Ankläger in ein und der selben Institution, kam ein Freispruch für den König nun nicht mehr in Frage, da dies einer Selbstanklage des Konvents gleichgekommen wäre.

Der Nationalkonvent verurteilte Louis XVI. am 17. Januar 1793 wegen "Verschwörung gegen die öffentlichen Freiheit und der gesamten Sicherheit des Staates" (la conspiration contre la liberté publique et la sûreté générale de l’État) mit 361 zu 360 Stimmern zum Tode auf der Guillotine. Das Urteil wurde am Vormittag des darauf folgenden 21. Januar durch den Henker Charles-Henri Sanson vollstreckt. Ein vorheriges Gesuchen vom 20. Januar die Vollstreckung aufzuschieben, wurde mit 380 zu 310 Stimmen abgelehnt. Der König von Frankreich und Navarra starb als Bürger Louis Capet auf der Plaçe de la Revolution, der heutigen Plaçe de la Concorde [vgl. BÜ 0005].

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