Ermordung des Königs Henri IV. am 14. Mai 1610

Rückseite mit Portrait des französischen Philosophen
Pierre de la Ramée (Petrus Ramus 1515-1572)

Sebastian Münster, Cosmographia III. "Von Gallia", um 1614

Cosmographia Sebastian Münster. Ermordung Heinrich IV., 14. Mai 1610

Abgebildet ist hier neben einem biografischem Text, eine Darstellung des tödlichen Attentats auf den König Henri IV. [vgl. BR 0015]. Dieser bestieg nach einem beschwerlichen Weg am 7. Februar 1594 als erster König aus dem Haus Bourbon und als erster König von Frankreich und Navarra den Thron [vgl. PB 0007]. Die Rückseite zeigt ein Madaillon-Portrait des französischen Philosophen "Pierre de la Ramée" (Petrus Ramus; 1515-1572).

Bei diesem zweiseitig bedruckten Holzschnitt aus dem Jahre 1598, handelt es sich um ein kostbares Einzelblatt der Cosmographia III. "Von Gallia". Diese war das umfangreiche Hauptwerk des Kosmographen und Humanisten "Sebastian Münster (1488-1552)". Die Cosmographia ist die erste in deutscher Sprache verfasste wissenschaftliche Sammlung über das Wissen der damals bekannten Welt. In ihr fasst Münster die Grundlagen aus Naturwissenschaften, Astronomie, Geographie und Geschichte sowie Volks- und Landeskunde zusammen und stellt sie nach dem Stand des damaligen Wissens dar.

Cosmographia Sebastian Münster. Ermordung Heinrich IV., 14. Mai 1610 Cosmographia Sebastian Münster. Portrait Pierre de la Ramée (Petrus Ramus)
Holzschnitt

[Magazin-N°: PB 0008]

"Ermordung des Königs Heinrich IV. am 14. Mai 1610.";

Einzelblatt aus dem Werk:

Cosmographia III.
"Von Gallia";

Autor/ Herausgeber:

Sebastian Münster;

Publikationsdatum:

um 1614;

Sprache:

deutsch;

Verlag/ Druck:

Offizin der Familie Petri, Basel;

Drucktechnik:

Holzschnitt, sw;

Material:

Vergé-Papier;

Bogengröße:

ca. 232 x 364 mm;

Plattengröße:

ca. 178 x 288 mm;

Erhaltung:

Einige Flecken, sonst sehr schön erhalten und klarer Abdruck;

Dieses Einzelblatt ist aus einer der deutschsprachigen Ausgaben der Cosmographia (Cosmographey/ Cosmographei), welche in der Zeit von 1550 bis 1614 in der Offizin der Familie Petri in Bern gedruckt wurden. Die Seite stammt aus einer unvollständigen, nicht mehr zu restaurierenden Kopie des dritten von den sechs Büchern des Gesamtwerkes, welches Länderbeschreibungen von West- und Südeuropa enthält.

Das Attentat auf den König

14. Mai 1610, Rue de la Ferronnerie 11, Paris.

Cosmographia Sebastian Münster. Ermordung Heinrich IV., 14. Mai 1610

Henri IV. fasste 1610 den Plan in die katholischen Spanischen Niederlande einzumarschieren, um die protestantischen Fürsten Europas zu unterstützen. Er war am 14. Mai, einen Tag nachdem seine Frau Maria de' Medici (1557-1642) mit allen Befugnissen als seine Vertreterin zur Königin gesalbt wurde, mit sechs Höflingen in einer offenen Kutsche auf dem Weg zu "Maximilien de Béthune, Duc de Sully" (1560-1641), als der Wagen in der engen Rue de la Ferronnerie wegen einer entgegenkommenden Kutsche halten musste. Bis auf den König und "Hercule de Rohan, Duc de Montbazon" (1568-1654) stiegen alle Begleiter aus der königlichen Kutsche. Nahezu ungeschützt bemerkte weder Heinrich IV. noch einer seiner begleiter den heran nahenden François Ravaillac. Dieser spreang seitlich auf den offenen Wagen und stach mit einem Messer drei mal auf den König ein. Der zweite Stich verletzte ihn tödlich. Henri starb noch in seiner Kutsche auf dem Weg in den schützenden Louvre [vgl. GR0016], der damals noch Regierungssitz der französischen Könige war.

Der Täter konnte umgehend festgenommen werden. Zum Schutz vor der aufgebrachten Pariser Bevölkerung verbrachte man Ravaillac in das Hôtel de Retz, wo man ihn unter Folter verhörte. Er gestand im Jahr 1609 eine Erscheinung gehabt zu haben, nach der er den König dazu bewegen mußte, die protestantischen Hugenotten zur Konvertierung zu bewegen. Da Henri IV. nun aber plante gegen die vatikantreuen Spanischen Niederlande zu ziehen, fasste François Ravaillac dies als direkten Angriff gegen den Papst auf und wollte diesem mit der Ermordung des Königs zur Hilfe eilen.

Insgesamt wurden achtzehn Attentate auf Henri IV. verübt und bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob François Ravaillac bei diesem letzten Anschlag als Einzeltäter oder auf Anweisung handelte. Im Laufe der Geschichte stand auch die von Heinrich wenig beachtete Ehefrau, die Königin Marie de Médicis, in Verdacht hinter dem Anschlag zu stecken, da sie durch ihre Krönung nur einen Tag zuvor vom König selbst mit allen Autoritäten zur Regentin ausgestattet worden ist. Henris Nachfolger wurde der erst neunjährige Dauphin, sein Sohn Louis XIII., [vgl. BR 0009] jedoch wurden die Regierungsgeschäfte vorerst von der Königin geführt.

Verurteilung und Strafe für den Königsmord

Grand chambre des Parlement zu Paris, 27. Mai 1610.

Der Prozess gegen den Attentäter François Ravaillac wurde bereits am 27. Mai 1610 vor dem grand chambre des Pariser Parlements [vgl. PB 0009] geführt. Die Strafe für einen Königsmord stand seit Jahrhunderten fest: die Vierteilung. Nach einem Verhör unter Folter wurde der Täter in ein Bußgewand gesteckt. Mit einer brennenden Kerze musste er auf den Stufen eines Gotteshauses den getöteten König und Gott um Vergebung bitten. Danach wurde er mit Zangen an verschiedenen Körperstellen verletzt und die Tathand verbrannt. Die Wunden wurden mit brennendem Schwefel und kochendem Wachs, Öl, Pech und Blei übergossen, bevor der Körper von vier Pferden zerissen wurde. Der Leichnahm wurde umgehend verbrannt und die Asche verstreut. Die Strafe traf jedoch nicht nur den Attentäter. Auch die gesamte Familie hatte die Konsequenzen in Form von Verbannung zu tragen. Nach heutiger Sicht ist die Bestrafung mehr als brutal, jedoch galt die Ermordung eines Königs von Gottes Gnaden nicht nur als reiner Tötungsdelikt, sondern auch als Majestätsbeleidigung und als Angriff gegen die Justiz, den gesamten Staat und Gott selbst. Das Urteil gegen François Ravaillac wurde noch am selben Tag auf der Plaçe de Grève in Paris vollstreckt. Nach 1610 wurde dieses grausame Urteil wegen versuchten Königsmordes in Frankreich nur noch einmal angewendet. Gegen "Robert François Damiens" (1715-1757) nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf den König Louis XV. am 5. Januar 1757.

Auszug einer alten deutschen Übersetzung des Urteils

Quelle Wikipedia

Zitat: [...] "Alles erwogen, so hat der Gerichtshof erklärt und erklärt hiermit besagten Ravaillac als mit Recht und Ordnung bezüchtigt und überführt des Verbrechens der Majestätsbeleidigung, so der menschlichen als göttlichen, begangen am Oberhaupt, von wegen des sehr niederträchtigen, sehr verabscheuungswürdigen und sehr verwerflichen Meuchelmordes, begangen an der Person des seligen Königs Heinrich IV., sehr guten und lobenswerten Gedächtnisses; zur Sühnung dessen er ihn verdammt hat und verdammt, eine Ehrenbuße zu tun vor dem Haupttor der Kirche Notre Dame zu Paris, wohin er in einer Armensünderkarre zu führen; — demnächst daselbst, nackt, im Hemde, eine brennende Kerze, zwei Pfund im Gewicht, in Händen haltend, zu sagen und zu erklären, dass er unglückseligerweise und verräterischerweise begangen besagten sehr niederträchtigen, sehr verabscheuungswürdigen und sehr verwerflichen Meuchelmord, und getötet den besagten König und Herrn mit zwei Messerstichen in seinen Körper, worüber er Reue empfindet und um Gnade bittet Gott, den König und die Justiz; — dass er von da geführt werde auf den Greveplatz und auf ein Schafott, welches daselbst aufzurichten, und daselbst mit Zangen gekniffen an den Brustwarzen, Armen, Schenkeln und Waden; dass darauf seine rechte Hand, in der er das Messer halten muss, mit welchem er besagten Vatermord begangen, verbrannt werde in Schwefelfeuer, und auf die Stellen, wo er gezwickt worden, geschmolzenes Blei geträufelt werde, auch kochendes Oel und brennendes Pech, desgleichen Wachs und Schwefel zusammengerührt; — welchem nach sein Körper soll zerrissen und geteilt werden durch vier Pferde; seine Glieder und sein Leib aber vom Feuer verzehrt, zu Asche verbrannt und in die Winde verstreuet. — Erklärt demnächst alle seine Güter dem Könige verfallen. Verordnet auch, dass das Haus, in dem er geboren, der Erde gleich gemacht werde, nachdem der, dem es gehört, vorher entschädigt worden, dergestalt, dass auf dem Grund und Boden, wo es gestanden, niemals wieder ein Haus gebaut werden darf; — sowie dass, vierzehn Tage nach Publikation besagten Urteils, beim Schall der Trompeten und öffentlichem Ausruf in der Stadt Angouleme, sein Vater und seine Mutter auswandern und das Königreich verlassen, mit dem Verbot, jemals dahin zurückzukehren, widrigenfalls sie gehängt werden sollen und erdrosselt, ohne dass irgend vorher etwas von einem Prozesse wider sie anhängig gemacht würde. — Verbieten wir des weitern seinen Brüdern und Schwestern, seinen Oheimen, Basen und anderen von nun ab den Namen Ravaillac zu führen, und heissen wir sie, unter denselben Strafen, einen andern Namen anzunehmen; — und dem Substitut des Generalprokurators zu publizieren und zu exekutieren gegenwärtiges Erkenntnis, unter Verwarnung, dass wir uns an ihn halten werden; und vor der Exekution besagten Ravaillacs, dass derselbe von neuem auf die Folter gespannt werde, um von ihm seine Mitschuldigen zu erpressen. [...]

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