Journal "L'Illustration Européenne"

Titelthema: Der in Brand gesteckte Palais des Tuileries

Année premièr, N° 32., Brüssel, 24. Juni 1871

L'Illustration Européenne - Titelthema Brand des Palais des Tuileries

Dieses Journal aus dem Jahre 1871 ist die Ausgabe N° 32 der in diesem Jahr erstmals in Brüssel herausgegebenen "L'Illustration Européenne". Neben verschiedenen Themen zu revolutionsbedingten Aufständen in Paris, ist das Titelthema der Brand im Palais des Tuileries vom 23. bis zum 26. Mai 1871.

Das Stadtschloss wurde ab dem Jahr 1564 im Auftrag der Königin Catherine de Médicis westlich gegenüber des Palais du Louvre erbaut, stetig erweitert und unter Henri IV. Seine-seitig mit dem Louvre verbunden. Zu Beginn der französischen Revolution wurden am 6. Oktober 1789 Louis XVI. und seine Frau Marie-Antoinette hier untergebracht [vgl. PB 0002] und der Palast zur offiziellen Residenz erklärt. Er überstand den Tuilerien-Sturm am 10. August 1792, bei dem fast die gesamte Schweizergarde des Königs bestialisch niedergemetzelt wurde. Unter Napoleon I., Louis XVIII. und Napoleon III. wurde die stadtseitige Verbindung von Tuilerienpalast und Louvre wieder vorangetrieben. In dieser Form wurde der "Nouveau Louvre" im Jahre 1857 eingeweiht. Jedoch fiel der Bereich des Palais des Tuileries, genau wie unter anderem das Hôtel de Ville, das Finanzministerium und die Vendôme-Säule, dann der Pariser Kommune, dem am 18. März 1871 gebildeten revolutionären Pariser Stadtrat, zum Opfer.

 

L'Illustration Européenne 1871 Brand des Palais des Tuileries (Pavillon de Flore und Tuilerienpalast) Brand des Palais des Tuileries (Grande Galerie und Pavillon de Flore) L'Illustration Européenne - Artikel zu den durch die Pariser Kommune in Brand gesteckten Tuilerien
Journal

[Magazin-N°: PB 0011]

L'Illustration Européenne, Premièr année, N° 32:
"Incendie des Tuileries";

Autor:

Nicht ersichtlich;

Gravur brennende Tuilerien:

T. L. Rowbotham,
Format ca: 225 x 147;

Publikationsdatum:

24. Juni 1871;

Sprache:

französisch;

Herausgeber:

M. Theo Spée,
herausgebender Direktor;

Verlag/ Druck:

L'Illustration Européenne,
Brüssel;

Format:

ca. 265 x 368 mm
geschlossenes Format;

Umfang:

8 Seiten,
Klebebindung;

Material:

Papier;

Einband:

kein Einband;

Erhaltung:

Bindung teils aufgebrochen, sonst sehr schön erhalten;

Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet

In drei Tagen vernichten die Flammen 300 Jahre Stadtgeschichte

Am 22. und 23. Mai fuhren die Kommunarden Dardel, Bergeret, Bénaud, Baudoin und Mabeuf fünf mit Pulver, flüssigem Teer, Terpentin und Ölbehältern beladene Wagen in den Hof des Palastes und positionierten diese unterhalb des Peristyls am zentralen Pavillon des Gebäudes. Daraufhin liefen auf Befehl von Bénot, Metzger, Bergeret und Boudin dreißig Eingeweihte durch die Säle und Räume des Tuilerienpalastes und verteilten Öl über Wände und Böden. In der Vorhalle des Pavillon d'Horloge platzierte man ein Pulverfass, drei weitere unterhalb der Escalier d'Honneur. Den Salon de Maréchaux füllte man mit Unmengen an brennbarem Material, in der Kapelle teerten sie den Altar und die Orgel und im Theater sämtliche Holzarbeiten. Nachdem Bénaud persönlich ein kleines Feuer legte, griffen die Flammen sofort auf das gesamte Stadtschloss über.

Kurz vor neun brachten die Flammen die Schlossuhr am zentralen Pavillon zum stehen, der gegen 11 Uhr von einer gewaltigen Explosion erschüttert wurde, welche die Flammen aus der gewaltigen Kuppel schlagen ließ. Das Feuer wütete drei Tage und ließ vom Palais des Tuileries ausser den Grundmauern nichts mehr übrig. Die enorme Hitzeentwicklung ließ alle Bronzearbeiten schmelzen und sogar der Marmor zerfiel zu Staub. Die Flammen griffen auch auf die Verbindungsgalerien zum Louvre über, konnten in diesen Gebäudebereichen aber gestoppt werden. Bergeret und seine Männer beobachteten bei einer kalten Mahlzeit den Brand von der Terasse des Louvre aus. Innerhalb von wenigen Tagen verschwand auf diese Weise ein markantes Stück Pariser Stadtgeschichte und ein Meisterwerk der Architekturkunst.

Über die Palastruine entbrannten viele Diskussionen. Ideen einer Rekonstruktion oder eines Tuilerienpalastes im Geschmack der Zeit kamen auf. Da man sich nicht einigen konnte, wurde die Ruine im Jahre 1883 letztendlich abgebrochen [vgl. GR 0019].

 

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