Deutsche Publikation zum Spanischen Erbfolgekrieg

Die von Louis XIV. an England gerichteten Friedensvorschläge zur Einleitung eines Präliminarfriedens zwischen England und Frankreich.

Gedruckt im Haag, 1711

Spanischer Erbfolgekrieg. Die der englischen Krone durch Louis XIV. vorgeschlagenen Präliminarien zur Einleitung eines Friedens

Diese deutsche Publikation von 1711 führt die in ihrem Erscheinungsjahr vom französischen König Louis XIV. an "Anne Stuart", Königin von England (bzw. zu dieser Zeit schon Königin von Großbritannien) gerichteten Friedensvorschläge zur Einleitung eines Präliminarfriedens zwischen den beiden Ländern auf. Abgedruckt sind hier neben einem Schreiben aus London vom 29. Oktober und aus dem Haag vom 03. November 1711, insgesamt sieben von Frankreich vorgeschlagene Präliminarien sowie die vom Verfasser dagegen gestellte Sichtweise in Form von politischen Gedanken.

Frankreich und seine Verbündeten befanden sich seit 1701 mit einer Allianz um das österreichische Haus Habsburg und England im Krieg. Auslöser für diesen "Spanischer Erbfolgekrieg" genannten militärischen Konflikt war der Tod des letzten spanischen Königs "Carlos II. hinterließ dem spanischen Thron keinen Erben, weshalb die Frankreich, England und das Haus Österreich bereits im Vorfeld versuchten Kandidaten aufzustellen. Carlos bestimmte per Testament jedoch Philippe d'Anjou, den Enkel des französischen Königs zu seinem Nachfolger. Dieser sollte als Felipe V. neuer König von Spanien werden. Ludwig XIV. zögerte. Einerseits war dies eine einmalige Chance für Ihn. Ein Bourbone und Familienmitglied auf dem Thron des ehemalig größten Gegners. Aber er wusste auch, dass wenn er dieses Testament anerkennt, ein Krieg zwischen den drei Großmächten und deren Verbündeten unvermeidlich wäre. Wenn er es ausschlagen würde, wäre mit einem Schlag der europäische Einfluß seiner Erzgegner zu groß, die Machtverhältnisse zu ungunsten Frankreichs verschoben und sein Land obendrein von allen Seiten umzingelt. Was ebenfalls in einen Krieg münden würde. Desweiteren hatte Carlos II. verfügt, dass sollte Philippe d'Anjou dieses Erbe antreten, er nicht gleichzeitig König von Frankreich und Navarra werden könne. Somit fiel nach einigen vorangegangenen Todesfällen in Ludwigs Familie, ein weiterer Thronfolger für Frankreich aus. Louis XIV. mußte pokern, nahm das Erbe an und rief seinen Enkel zum König von Spanien aus. Dieser zog am 18. Februar 1701 in Madrid ein.

Louis XIV - Friedensvorschläge - Die der englischen Krone vorgeschlagene Präliminarien zur Einleitung eines Friedens Louis XIV - Friedensvorschlag an England vom 29. Oktober 1711 Louis XIV - Spanischer Erbfolgekrieg - vorgeschlagene Präliminarien - 1711 Louis XIV - Friedensvorschläge - Die der englischen Krone vorgeschlagene Präliminarien zur Einleitung eines Friedens
Publikation

[Magazin-N°: PB 0017]

"Die von der Cron Franckreich an die Cron Engelland von Neuem angetragene Friedensvorschläge / Sambt denen unpartheyischen Staatsreflectionen / Über die zwischen denen Englischen Thorischen Factionen und denen Frantzösischen Deputirten tractirte Praeliminar-Puncten / durch deren Acceptirung ein gepflasterter und weit gefährlicher Friede / als der Krieg selbst ist / entstehen würde.";

Autor/ Verfasser:

unbekannt;

Publikationsdatum:

1711;

Sprache:

deutsch;

Verlag/ Druck:

ohne Angabe,
im Haag;

Format:

ca. 160 x 192 mm,
geschlossenes Format;

Umfang:

8 Seiten;

Material:

Vergé-Papier,
genäht;

Einband:

kein Einband;

Erhaltung:

Einige Flecken. Papier leicht gebräunt, sonst sehr schön erhalten;

Ein langer Weg bis zur Einigung

Der Separatfrieden von Utrecht und der entgültige Frieden von Baden

Das vorliegende Dokument enthält die von Frankreich in Form von sieben Präliminarien, vorläufigen Abmachungen, ausschließlich an Großbritannien gerichteten Vorschläge für einen Präliminarfrieden. Mit diesem Vorfrieden ohne formellen Friedensschluss versucht Louis XIV. zu erreichen, dass England sich – unabhängig von den weiteren französischen Kriegshandlungen gegen die Verbündeten der englischen Krone – aus der gegnerischen Allianz zurückzieht. Er hat den Zeitpunkt für dieses Vorgehen geschickt gewählt, da im Jahre 1711 Kaiser Joseph I. stirbt und Großbritannien zunehmend die Gefahr erkennt, dass dessen Nachfolger Karl VI. versucht das Reich und Spanien unter einer Krone zu vereinen. Trotz dieses taktisch diplomatischen Vorgehens und dem daraufhin im Sommer des Jahres 1713 von England unterzeichneten Separatfriedens von Utrecht, zog sich der Krieg gegen den Kaiser und das Reich noch bis in Jahr 1714 hin.

Die Beilegung des Krieges

Nachwirkungen eines Erbfolgestreits bis in die heutige Zeit

Die englische Königin Anne Stuart, an die die Friedensvorschläge gerichtet waren, erlebte das offizielle Kriegsende nicht mehr. Sie starb knapp einen Monat vor dem mit dem Deutschen Reich am 07. September 1714 geschlossenen Frieden von Baden. Louis XIV. regierte Frankreich noch für ein weiteres Jahr. Am 01. September 1715 starb der Sonnenkönig durch einen falsch diagnostizierten Wundbrand an seinem linken Bein.

Nach dem vorangegangenen Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zerrte der Spanische Erbfolgekrieg immens am französischen Staatshaushalt und verbrauchte die letzten Ressourcen des Landes. Die glanzvolle Zeit des Sonnenkönigs und sein Grand Siècle waren schon vor dem Kriegsausbruch vorbei. Philippe V. d'Anjou wurde von allen Parteien als König von Spanien anerkannt. Er ist der Stammvater des spanischen Hauses "Borbón Anjou", das dort noch heute den regierenden König Juan Carlos I. stellt. Spanien wurde jedoch zerteilt und behielt nur seine Kolonien. Es musste die Spanischen Niederlande, das Königreich Neapel, das Königreich Sardinien und das Herzogtum Mailand an das Kaiserreich abtreten. Gibraltar und Menorca fielen an Großbritannien und das Königreich Sizilien an Savoyen. Beide Häuser verpflichteten sich dazu, niemals eine Bourbonische Personalunion einzugehen. Vertraglich geregelt wurde auch, dass das französische Maison de Bourbon sich niemals auf die familiären Bande berufen und erbliche Ansprüche auf den spanischen Thron geltend machen darf, gleiches galt für die nie nun neue, spanische Casa de Borbón. Da das für die Bourbonen grundsätzlich vorrangig gültige Salische Erbrecht ein Ausschließen von der Thronfolge per Gesetz oder Vertrage jedoch nicht zulässt, erhebt die spanische Linie des Hauses Borbón seit dem Tod von Henri d'Artois, dem letzten männlichen Nachkommen des französischen Stammhauses im Jahre 1883, bis heute seinen Anspruch auf die französische Krone. Trotz des unterzeichneten Vertrages von Baden.

Die von der Cron Frankreich an die Cron Engelland von neuen angetragene Friedensvorschläge
Auszug der vorgeschlagenen Präliminarien von Frankreich

Erster Punct

Daß seine allerchristlichste Majestaet / in der starcken Neigung / aus allen seinen Kraefften beyzubringen / was zur Wiederbringung des Friedens gedeyen mag / die Koenigin Anna für eine rechtmäßige Koenigin von Engelland / und die von dem Parlament erwaehlte Succession fuer gerecht erkennen will / in dem Stand / wie sie anjetzo gestellet ist.

Politische Reflexion: Du musst wol / grosser Ludwig / diese maechtige Koenigin fuer rechtmaessig erkennen / dieweil Sie durch ein dreyfaeltiges Recht auf dem Thron sitzet: Jures Successiones, Jure Legis, Jure Electionis. Ganz Europa hat sie fuer eine rechtmaessige Regentin von Engelland erkennet / warum nicht Franckreich / welches in dieser Sache nichts zu gebieten hat? Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Anna bleibt Koenigin in Engelland / es sage die Cron Franckreich dazu ja oder nein. Gott allein ist ein HERR der weltlichen Cronen / und theilet sie aus wem er will.

Der andere Punct

Daß seine Majestaet freywillig wolle zugeben / alle die rechtmaeßige und vernuenftige Vorsorge aller hohen interessirten / damit niemahl die beyden Cronen Spanien und Franckreich auf ein Haupt vereinigt werden / und zustehen kommen ; dieweil sie sowohl persuadirt seynd ; daß eine solche vereinigte Macht allzugroß / und der Europaeischen Ruhe zuwider seyn wuerde.

Reflexiones: Ein Spanier beflisse sich eine Nachtigal zu fangen / um ein solches Thier zu sehen von so starcke Stimm / und herrlichen Gesang / und nachdem er eine bekommen hatte / sprach er : vox est , prætera nihil. Allhie ist eine blosse Stimme / sonst nichts. Fuerwahr der Franzoesische Hof singt schoen / schmeichelt mit seyner Stimme / im Werck aber ist nichts. Franckreich verspricht alles / und haltet nichts. Wer will davor guarantieren / daß der Franzoesische Hof wird Wort halten / welches niemahl geschehen ist ; die Worte seynd gut / sprach der Fuchs / aber die Birnen waeren besser. Wann die hohen Alliierten sich zu solchen Vorschlaegen liessen bereden / wuerde die Cron in die Faust lachen / mit der Zeit seinen Streich spielen / und alles ueber den Hauffen werfen ; dieweil undisputirlich die Intention von Franckreich intrinsecè dahinz ziehlet / durch Vereinigung beyder Cronen den Weg den Weg zu der allgemeinen Monarchie zu bahnen ; Die Franzosen unter diesem Koenig haben sich nicht gescheuet oeffentlich zu sagen: Ein GOTT / eine Sonne / und ein Koenig / damit anzudeuten / daß ihr Koenig allein werde der ganzen Welt Herrscher seyn / wohin der politische Satz des verwegenen "Aubery" gezielet hat / der allso lautet: Delphini, regnum non habit terminos, nisi Cœlum & Oceanum, des Dauphins Reich wird keine anderen Grenzen haben / als den Himmel / und Oceanum. O du verlogener und schmeichlender Prophet! Ich wil besser prophezeyen und sagen : das Spanien der Cron Franckreich nicht bleiben ; sondern in Franckreich selbst wird und muß gesucht werden.

Sechsten Punct

Daß unerachtet Duynkirchen dem Koenig sehr grosse Geld=Summen gekostet hat / so wol um den Orth zu erlangen : als zu befestigen / und daß ein unglaublicher Unkosten wird vonnoethen seyn / um die Festung 6. Wercker zu schleiffen / so wollen seine Majestaet sich dennoch einlassen / solchen Orth Immediatè nach Schließung des Friedens zu schleiffen ; Jedoch mit diesem Vorbehalt : daß fuer die Festungs=Wercker dieses Orths man ihm ein Æquivalent zu dero Satisfaction ersetze. Und indeme die Engellaender dieses Æquivalent nicht geben koennen / so wird man diese Sache im Friedens=Tractat abhandeln.

Reflexiones: Ein artiger Fallstrick / um die hohen Alliierten zu fangen. Niemand koente oder wolte das Æquivalent geben / so bleibe ja Duynkirchen undemolirt und in status quo, nunc, und gesetzt / es finde sich das Æquivalent, welches Franckreich ungemein groß schaetzen wird / so muß man gestehen / daß Franckreich nichts hergiebt : sondern durch das Æquivalent ganz indemnirt bleibet.

Siebender Punct

Und wie Ihre Majestaet aus gewisser Raison nicht gestatten koennen / daß in Engelland oder in Franckreich ein Orth der Zusammenkunft erwaehlet werden moechte / also wollen sie auch nicht / daß es im Haag geschehe / schluegen dahero 4. Plaetze / entweder Achen / Luettich / Utrecht oder Nimwegen vor / nach welcher Erwehlung man die Paßporten expediren solte.

Anjetzo wollen wir mit den Præliminarien schliessen / die zwischen der Cron Engelland / und Franzoesischen Herrn Menagier sollen veraccordiert seyn worden / welche darinn bestehen : daß die Koenigreiche Neapolis , Sicilien und Sardinien , das Herzogtum Weyland / die See=Porte an denen Toscanischen Kuesten / welche zu Spanien gehoeren / mit ganz Flandern auf ewig dem Haus von Oesterreich sollen verbleiben : hingegen solle Philippus ganz Spanien / Majorca , Minorca und ganz West=Indien in Posses behalten. Wiederumb : daß der Cron Engelland / und Republic von Holland mit Spanien die Commerzien zu verpflichten / Philippus sich dazu werde verstehen : daß Engelland jederzeit eine Guarnison in Cadiz halte / und das die Compagnie von Suden eine voellige Freiheit haben solle / in selbigen Gegenden festen Fuß zu setzen / und sich zu stabiliren / gemaeß dem Actudes Parlaments. Item : Daß die Festungs=Wercker und der See=Hafen von Duynkirchen sollen ueber einen Hauffen geworffen werden / und das die Hollaender Commissarien nennen koennen / welche mit denen von Franckreich dahin arbeiten sollen ; Damit eine sichere Barriere gesetzt werde ; daß man auch denen anderen hohen Alliierten genugsame Satisfaction In Congressu generali ertheilen werde.

Reflexiones: Auf diese Puncten braucht es nicht viel Dicentes zu machen. Ich frage nur / warum und weswegen ist der Krieg angefangen worden ? ein jeder wird mir antworten wegen Spanien. Diese ist die Monarchalische Braut / um welcher willen der blutige Tanz ist angestellet worden. Bleibt die dem Duc d'Anjou in Haenden / so ist um nichts / also zu reden / so viel Blut vergossen / und fast ganz Europa Geldarm gemacht worden. Was Franckreich zu thun offerirt / ist Speck auf die Falle. Es wird es nicht lang anstehen lassen / wann einmal die grosse Allianz zertrennet / die hohen Alliierten das Gewehr niedergelegt haben / das cedirte wiederum den ganzen Koerper zu reuniren / alle Welt auszulachen / und ueber die Reputation aller anderen Voelker zu triumphiren. So bleibt es dabey / Spanien ist die Braut / die man nach Haus muß fuehren ; Spanien muß man haben / wird aber schwerlich gefunden werden / man suche es dann mit starcken Armeen bey Paris.

Hinweis: Die Stücke meiner Sammlung stehen grundsätzlich erst einmal nicht zum Verkauf. Diese Website stellt nur ein Online-Archiv dar. Sie haben Fragen?