Lettre de Louis XIV. à Louis XV.

Brief Ludwigs des XIV. Königs in Franckreich
an Ludwig XV. ietzigen König

Fiktiver Brief des Sonnenkönigs an seinen Nachfolger, Paris 1733

Lettre de Louis XIV. à Louis XV.  Brief Ludwigs des XIV. Königs in Franckreich an Ludwig XV. ietzigen König, 1733

Diese zweisprachige Publikation aus dem Jahre 1733 ist ein Flugblatt, das einen fiktiven Brief des bereits 1715 verstorbenen Louis XIV. darstellt, der sich damit an seinen Nachfolger Louis XV. wendet. Der unbekannte Verfasser beklagt sich in der Person des großen Sonnenkönigs über die durch die Staatsminister Ludwigs XV. hervorgerufenen Missstände in der Regierung und die dadurch im ganzen Land hervorgerufene Ungerechtigkeit. Besonders den anstelle eines Premierministers regierende Kardinal Fleury gerät in die Kritik. Dessen dubiose Machenschaften, seine anscheinend undurchsichtigen Verhandlungen mit dem englischen König und der zum Schweigen gebrachte Hochadel Frankreichs schüren den Unmut des Verfassers.

Als der Sonnenkönig im Jahre 1715 starb, fiel die Regentschaft über Frankreich nach salischem Recht seinem Neffen Philippe II. d'Orléans zu, da der legitime Thronfolger Louis XV. erst fünf Jahre alt war. Zusammen mit einem von Louis XIV. vorsichtshalber bestimmten Regentschaftsrat, bzw. unter dessen Aufsicht sollte der Duc d'Orléans das Land für den unmündigen Thronfolger regieren. Dieser wurde unterdessen von François de Neufville, Duc de Villeroy und dem neuen königlichen Präzeptor André-Hercule de Fleury, dem ehemaligen Bischof von Fréjus ausgebildet und zum König erzogen. Fleury konnte in dieser Zeit eine starke Bindung zum jungen König aufbauen und legte sich schon zu dieser Zeit den Grundstein für seine politische Karriere. Am 25. Oktober 1722 wurde Louis XV. gekrönt und im darauf folgenden Februar mit erreichen des dreizehnten Lebensjahres volljährig. Der Herzog von Orléans regierte jedoch faktisch weiter, wurde nach dem Tod seinen Vorgängers sogar zum neuen Premierminister ernannt, starb aber bereits im Dezember 1723. In diesem Amt folgte ihm auf "selbstlosen" Vorschlag Fleurys der Prince de Condé, Louis IV. Henri de Bourbon. Jedoch war Fleury bei jeder Unterredung der beiden Anwesend. Erst nach dessen Verbannung im Jahre 1726 – ebenfalls auf anraten Fleurys – übernahm der sechzehnjährige Louis XV. die Regierungsgeschäfte selber. Den Platz des ersten Ministers lehnte Fleury auch zu diesem Zeitpunkt wieder ab, er wurde jedoch im selben Jahr zum Kardinal ernannt, was ihm automatisch den höheren Rang vor allen anderen Ministern einbrachte.

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Publikation

[Magazin-N°: PB 0018]

"Lettre de Louis XIV. à Louis XV., Brief Ludwigs des XIV. Königs in Franckreich an Ludwig XV. ietzigen König";

Autor/ Verfasser:

unbekannt;

Publikationsdatum:

1733;

Sprache:

französisch und deutsch;

Verlag/ Druck:

unbekannt,
Paris;

Format:

ca. 160 x 182 mm;

Umfang:

12 Seiten;

Material:

Vergé-Papier,
ursprünglich genäht
und nachträglich gebunden;

Einband:

Späterer Pappeinband;

Erhaltung:

Nachträglich lapidar gebunden, sonst sehr schön erhalten;

Louis XV. war längst nicht so charakterstark wie sein Vorgänger, jedoch erwartete man nach den 61 Jahren Regentschaft von Louis XIV. genau dies von ihm, da niemand mehr etwas anderes von einem französischen König kannte. Er scheute sich vor öffentlichen Auftritten, schon bei seiner Krönung war gegensätzlich zur Tradition die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden. Er scheute sich vor dem höfischen Protokoll, der strengen Etikette und verbrachte seine Zeit lieber auf der Jagd oder mit anderen Zerstreuungen. Staatsangelegenheiten überließ er derweil seinen Ministern oder Fleury. Er gab sich schnell geschlagen wenn notwendige Reformen von der eigenen Regierung oder vom Parlement in Paris abgetan, aufgehalten, gar zurückgewiesen wurden und zog sich immer weiter aus den Regierungsgeschäften zurück. Korruption und Vetternwirtschaft breiteten sich immer weiter aus und machten auch vor den Ministern und dem Hof nicht halt. Das unter Ludwig XIV. innen- und außenpolitisch erstarkte Frankreich büßte dadurch immer mehr von seiner Rolle der europäischen Großmacht ein. Im Volk wuchsen Zorn und Unzufriedenheit immer weiter an. Der anfänglich "Vielgeliebte" Louis XV. begann seinen Abstieg zum "Mal-Aimé".

Lettre du Roy Louis XIV à Louis XV
Auszug aus der Publikation

Textauszüge des fiktiven Briefes

Monsier. Die Toden sind sonst nicht durch vorgefallene kleine Unordnungen und Lermen zu erwecken ; iedennoch aber ist, meine Ruhe zu stöhren was noch weit geringerers vermoegend, als die anhaltenden und durchgaengigen Klagen Eures ganzen Koenigreichs über die Treulosigkeit und Himmel=Schreyende Ungerechtigkeit Eurer Ministres.

Diese wollen zwar das Ansehen haben, daß sie Euch meine Regierung zum Muster vorstellen, sie bringen Euch aber unter diesem Scheine in der That solche Staats=Gruende bey, die denenienigen ganz entgegen gesetzt sind , welche meine Regierung so glorreich gemacht. Daher kommt es auch, daß Ihr weder das Augenmerk Eurer Nachbarn seyd, noch auch von Eurem Volcke geliebt werdet.

Diese betruebten Wahrheiten fallen von selbst in die Augen, wenn man theils die innerliche Verwaltung des Koenigreichs, theils auch die mit auswaertigen Prinzen gepflogene Handlungen betrachtet, seit dem Herrn Herzoge (Anmerkung: hier ist wahrscheinlich "Louis IV. Henri de Bourbon, Prince de Condé" gemeint) auf eine heimtueckische Art der Rang abgelauffen worden.

Von Norden bis Sueden hatte sich ein Wetter aufgezogen, welches ohnfehlbar ueber den Koenig von Engelland wuerde ausgebrochen seyn, dieses zu vertreiben, Fleuri nicht hin und wieder entsetzliches Geld ohne Uberlegung verwendet haette.

Zu der Zeit da der Herzog Regent das Reich verwaltete, und Ihr noch mit keinen männlichen Nachkommen gesegnet waret, waere ein dergleichen Staats=Streich noch einigermassen zu entschuldigen gewesen. Nachdem man aber dieses Glueck erlebet, hat man der gesunden Vernunfft beraubt seyn muessen, daß man sich nicht die sich aeußernde Gelegeheit zu Nutze gemacht, diesen Stamm wo nicht gar von den auf unrechtmaeßige Art erlangten Thron zu schmeissen, doch zum wenigsten die Handlung Eurer Unterthanen wieder her, und auf festen Fuß zu stellen, hingegen die Handlung der Engellaender, welche diese alten Feinde Eurer Crone fast zu Herren aller Schaetze von Europa macht, enger einzuschliessen. [...]

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