Staats- und Gelehrte Zeitung

des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten

Ausgabe N° 186 vom 20. November 1793/ Falschmeldung Gräfin du Barry

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, September 1793

Diese Ausgabe der "Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten" vom 20. November 1793 befasst sich mit den sich überschlagenden Geschehnissen im revolutionären Frankreich. Dort wurde vom Nationalkonvent am vorangegangenen 5. September der offene Einsatz von Terrormaßnahmen zur Unterdrückung der "Feinde der Revolution" beschlossen. Dieser Grand Terreur begann vereinzelt schon im Juni 1793 und wurde durch den Beschluss des Konvents legitimiert. Nach Ansicht Robespierres bedurfte es im Falle einer Bedrohung der Republik von Innen und Außen des Schreckens, "ohne den die Tugend ohnmächtig ist“. Die Terrorherrschaft erreichte ihren Höhepunkt im Juni und Juli 1794 und endete mit der Hinrichtung von Maximilen de Robespierre und seinen Anhängern am 27. Juli 1794. Insgesamt wurden während des Grand Terreur zwischen 35.000 und 40.000 Menschen ermordet [vgl. PB 0016].

Deutsche Zeitung mit Artikeln zur Revolution in Frankreich Falschmeldung über den Freispruch der Comtesse du barry Revolution: Die Stadt Versailles verlangt den Namen Berceau de la Liberté (Wiege der Freiheit) Hinrichtung der Madame Roland, 1793
Publikation

[Magazin-N°: PB 0019]

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Ausgabe No.186, vom 20. November 1793;

Autor/ Verfasser:

unbekannt;

Publikationsdatum:

20. November 1793;

Sprache:

deutsch;

Verlag/ Druck:

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten,
Hamburg;

Format:

ca. 194 x 234 mm,
geschlossenes Format;

Umfang:

8 Seiten + 4 Seiten Beilage;

Material:

Vergé-Papier,
ursprünglich genäht,
unbeschnitten;

Einband:

Kein Einband;

Erhaltung:

Einige Flecke auf den Seiten 1 und 2, einige Knicke, handschriftliche Markierungen und Unterstreichungen der Zeit, sonst schön erhalten;

Freispruch für Jeanne Bécu, Comtesse du Barry

Falschmeldung über den Prozess der ehemaligen Maîtresse

Besonders nennenswert ist eine Falschmeldung, die den Freispruch von Jeanne Bécu, Comtesse du Barry, ehemalige Maîtresse des vorletzten Königs Louis XV., verkündet:

"Die bekannte ehemalige Graefin Dubarry, geliebte Ludwigs XV., ist vom Revolutions-Tribunal freygesprochen, ihr gesammtes Vermoegen aber confiscirt worden. Doch soll Sie jaehrlich davon eine Pension von 10000 Livres erhalten."

Anmerkung: Tatsächlich wurde die Gräfin – trotz ihrer jahrelangen Hilfe und persönlichen Aufopferung für die ärmsten Teile der Bevölkerung in ihrem größeren Umfeld – vom Revolutionstribunal wegen Unterstützung der Gegenrevolution, Kontakten zu den ins Ausland emigrierten Adeligen und Verschwendung öffentlichen Eigentums angeklagt und schließlich zum Tode verurteilt. Am 8. Dezember 1793 wurde die Comtesse du Barry auf der Guillotine hingerichtet [vgl. PB 0016]. Die Falschmeldung wird in einer späteren Ausgabe dieser Zeitung zurückgenommen.

Ein Auszug weiterer Artikel in dieser Ausgabe

Verurteilung und Hinrichtung der Madame Roland

"Am ersten dieses ward Marie Philepon, Gemahlin des ehemaligen Ministers Roland, alt 39 Jahr, von dem Revolutions=Tribunal zum Tode verurtheilt, weil Sie an der Verschwoerung Theil genommen, die gegen die Einheit und Untheilbarkeit der Republik und gegen die Freyheit und Sicherheit des Franzoesischen Volks im Werke gewesen. Die Madame Roland, eins der schoensten Frauenzimmer in Frankreich, hoerte ihr Todesurtheil mit einer Standhaftigkeit und Groeße an, die weit ueber ihr Geschlecht gieng. Sie machte den Richtern eine tiefe Verbeugung, und dankte ihnen, daß sie ihr die Ehre erwiesen, sie unter die Martyrer der Revolution aufzunehmen.
Zugleich mit der Madame Roland ward der ehemalige General=Director der Aßignaten=Fabrik, de la Marche, von dem Revolutions=Tribunal zum Tode verurtheilt, weil er an dem Entwurfe, einen buergerlichen Krieg zu erregen, Theil genommen. Dieser bezeigte sich bey seiner Verurtheilung sehr kleinmuethig. Er ward am 8ten zugleich mit der Madame Roland auf einem Karren zum Richtplatz gefuert. Diese unterhielt sich unterwegs mit ihm, und sprach ihm so viel Muth ein, daß er so munter und aufgeheitert, wie sie selbst, wurde. Einige male fiengen beyde an, laut zu lachen, und starben mit vieler Entschlossenheit."

"Der Erstminister Roland soll in den unterirdischen des Observatoriums gestorben seyn."

Anmerkung: Jeanne-Marie Roland de La Platière war während der Französischen Revolution eine politische Figur und führte einen Salon in Paris. Ihr Ehemann, der ehemalige revolutionäre Innenminister Jean-Marie Roland de La Platière nahm sich das Leben, nachdem er von der Hinrichtung seiner Frau erfuhr.

Antrag der Stadt Versailles auf Umbennenung

Aus der Sitzung des Nationalkonvents, vom 8. November 1793:
"Die Stadt Versailles verlangt den Namen Berceau de la Liberté (Wiege der Freyheit.)"

Kostenübernahme der Balsamierung und des Begräbnisses von Marat

Aus der Sitzung des Nationalkonvents, vom 8. November 1793:
"Zur Balsamierung des Koerpers Marats sind dem Minister des Innern 15000 Livres und zum Begräbnis desselben 5600 Livres bewilligt worden. Die Beerdigung Mirabeaus hatte 100000 Livres gekostet."

Anmerkung: Der Revolutionär und Journalist Jean Paul Marat wurde am 13. Juli 1793 von Charlotte Corday, einer Anhängerin der Girondisten, erstochen. Marat wurde dadurch zum Märtyrer der Revolution. Sein Leichnahm wurde im September exhumiert, einbalsamiert und im Panthéon bestattet. Nach dem Ende der Terrorherrschaft wurde der Leichnahm 1795 jedoch wieder aus dem Panthéon entfernt.

Repressalien gegen die Kirche und den Beichtvater von Louis XVI.

"An diesem Tage ward in allen Pfarrkirchen nur eine einzige Messe gelesen. In vielen Kirchen fiengen besonders die Weiber an, stark zu murren, Betraechtliche Detachements aber, die vor den Kirchen gestellt waren, erhielten die Ordnung. in der Kirche St. Eustach zwang man den Pfarrer, der vormals der Beichtvater Ludwigs XVI. gewesen seine Messe auf einem Altar in weltlicher Kleidung zu lesen.
In mehreren Kirchen zu Paris ist bereits der Gottesdienst abgeschafft."

Arrestierung "auffälliger" Bürger und Bediensteter des Königs

"Der General Dubayet, der in der Vendée commandierte, ist arretirt worden. Ein gleiches Schicksal hat auch die Frau des Buergers Thierry, ehemaligen ersten Kammerdieners Ludwigs XVI. gehabt."

"Ein Buerger war als Aufkaeufer arretirt worden, weil er mit großen Kosten eine Menge Exemplare einer schoenen Ausgabe der Werke Roußeaus zusammengekauft hatte.. Auf Thuriots Vorstellung, daß man nicht nach der Art der Vandalen handeln muesse, ist er wieder frey gelassen worden."

Royalisten verbreiten konterrevolutionär beschriftete Assignaten

"Die Assignaten, welche die Royalisten in den verschiedenen Gefechten mit den republikanischen Truppen erbeutet, und die sie in mehreren Départements verbreitet haben, sind auf der Rueckseite mit der Aufschrift versehen worden: »Im Namen des Koenigs, Werth 10, 20, 50 Livres...«. Die Convents-Commissarien an den Kuesten von Brest haben diese Assignaten unter Androhung der strengsten Strafe fuer jeden, welcher sie annehmen wird, fuer ungueltig erklaert, wodurch sie, wie sie schreiben, der Republik mehrere Millionen gewonnen haben."

Anmerkung: Nach Abschaffung der Monarchie und der darauf folgenden Hinrichtung von Louis XVI. am 21. Januar 1793, entfiel auf den ausgegebenen Assignaten die bis dahin noch verwendete Symbolik der konstitutionellen Monarchie. [vgl. BA 0004]

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