Staats- und Gelehrte Zeitung

des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten

Ausgabe N° 45 vom 19. März 1793/ Marie-Antoinette im Temple Gefängnis

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, März 1793

Diese Ausgabe der "Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten" vom 19. März 1793 befasst sich mit den sich überschlagenden Geschehnissen im revolutionären Frankreich. Louis XVI., der letzte König des Ancien Régime, wurde 28 Tage vor dem Erscheinen dieser Zeitung als Bürger Louis Capet hingerichtet. Seine Frau Marie-Antoinette, seine Schwester Madame Élisabeth und seine Kinder Marie-Thèrèse Charlotte und Louis Charles befanden sich weiterhin im Temple in Gefangenschaft. Die Zeitung berichtet über die sich zuspitzende Lage in Frankreich und über die Reaktionen der europäischen Nachbarn. Abgedruckt ist auch das Dekret, mit dem Frankreich Spanien den Krieg erklärt.

Deutsche Zeitung mit Artikeln zur Revolution in Frankreich Artikel über Marie-Antoinette, Madame Élisabeth, Madame Royale und den Dauphin Louis Charles im Temple Gefängnis, März 1793 Bericht über den Tod des Duc de Penthièvre, Schwiegervater der ermordeten Princesse de Lamballe
Publikation

[Magazin-N°: PB 0020]

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Ausgabe No. 45, 19. März 1793;

Autor/ Verfasser:

unbekannt;

Publikationsdatum:

19. März 1793;

Sprache:

deutsch;

Verlag/ Druck:

Staats- und Gelehrte Zeitung des hamburgischen unpartheyischen Correspondenten,
Hamburg;

Format:

ca. 190 x 220 mm,
geschlossenes Format;

Umfang:

6 Seiten;

Material:

Vergé-Papier,
ursprünglich genäht,
unbeschnitten;

Einband:

Kein Einband;

Erhaltung:

Einige Knicke, handschriftliche Markierungen und Unterstreichungen der Zeit, sonst schön;

Die Famille Royale im Temple Gefängnis

Bericht über die Familie von Louis XVI. nach seiner Hinrichtung

Besonders nennenswert ist ein kurzer Bericht, der die Situation und das Verhalten der verbliebenen Mitglieder der königlichen Familie 28 Tage nach der Hinrichtung des Königs beschreibt:

"Die Königinn, ihr Sohn, ihre Tochter und Madame Elisabeth schlagen es noch immer aus, in den Garten zu gehen, um nicht vor dem Zimmer Ludwigs XVI. vorbeygehen zu müssen. Am Dienstag stieg die ganze Familie zweymal auf die Plateforme des Tempels, um da spazieren zu gehen. Die Königinn und Madame Elisabeth sind sehr verändert. Die Tochter der Königinn sieht einer wandelnden Leiche ähnlich. Ihr Sohn interessiert jedermann durch sein einnehmendes Wesen."

Anmerkung: Anfang Juli 1793 trennte man den kleinen Dauphin Louis Charles von seiner Familie und übergab ihn zur bürgerlichen Erziehung dem Jacobiner Antoine Simon. Nachdem dieser ebenfalls auf der Guillotine hingerichtet wurde, überließ man den 10-jährigen Jungen, der immer noch isoliert von seiner Familie im Temple eingesperrt war, anscheinend mehr oder weniger sich selbst. Er starb auf bis heute völlig ungeklärte Weise. Ein genaues Todesdatum ist ebenfalls nicht bekannt. Für die Akten wird heute offiziell der 8. Juni 1795 genannt, der Tag an dem der Tod des Dauphin öffentlich bekannt gegeben wurde. Man vermutet jedoch, dass das Kind bereits vor diesem Datum starb, dies jedoch geheim gehalten wurde um die vermeintliche "Geisel" als Druckmittel gegen die emigrierten Teile der Famile, sowie die verwandten Regenten von Österreich und Spanien zu benutzen.
Marie-Antoinette wurde am 1. August 1793 in das Conciergerie Gefängnis überstellt. Am 14. Oktober begann der Prozess gegen die Königin, die am Mittag des 16. Oktober hingerichtet wurde.
Ihre 30-jährige Schwägerin Élisabeth Philippine wurde am 9. Mai 1794 ebenfalls in die Conciergerie überführt und vor das Revolutionstribunal gestellt. Bereits am Tag darauf wurde sie verurteilt und hingerichtet.
Einzige Überlebende der Gefangenen Familie war die Madame Royale genannte Tochter Marie-Thérèse Charlotte, die vorerst allein im Temple verbliebt. Weihnachten 1795 wurde sie dann in der Nähe von Basel gegen französische Kriegsgefangene ausgetauscht und zu ihren Habsburgischen Verwandten nach Österreich verbracht.

Ein Auszug weiterer Artikel in dieser Ausgabe

Tod des Duc de Penthièvre, Enkel von Louis XIV.
und Schwiegervater der Princesse de Lamballe

"Am 4ten März starb auf seinem Schlosse Bizy in der Normandie Louis Jean Marie de Bourbon, Herzog von Penthievre. Die Ermordung der Prinzessin von Lamballe, seiner Schwiegertochter, hatte ihm eine Auszehrung zugezogen. Durch die Revolution hat er 2 Millionen von seinen Einkünften eingebüßt, die sich vorher auf 5 Millionen beliefen. Eine Menge Arme beweinen seinen Tod, denn seine Wohltätigkeit kannte keine Grenzen. Seine Religionsgrundsätze erschienen durch seine duldende Sanftmut im schönsten Lichte."

Anmerkungen: Der am 16. November 1725 geborene Louis Jean Marie de Bourbon war der Sohn von Louis-Alexandre de Bourbon, Comte de Toulouse, einem legitimierten Sohn von Louis XIV. und dessen Maîtresse Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, Marquise de Montespan.
Er war Herzog von Penthièvre, Châteauvillain, Rambouillet (1737), Gisors, Aumale (1775), Arc-en-Barrois und Amboise, comte d'Eu, siebenfacher Pair de France und Chevalier du duché Savoie-Carignan. Als Grand Veneur de France (Großjägermeister) und Amiral de France (Großadmiral) hielt er zwei Grands Offices de la Couronne de France inne (Großämter der Krone) und war darüber hinaus Gouverneur der Provinz Bretagne. Als Enkel des Sonnenkönigs und letzter Erbe der von diesem offiziell als Prinzen anerkannten Nachkommen wurde er zum reichsten Privatmann Frankreichs. Trotz seiner Stellung und seiner Titel setzte er einen Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke und zur Unterstützung der armen Bevölkerung ein.

Marie-Louise von Savoyen-Carignan, Princesse de Lamballe war enge Vertraute und langjährige Freundin von Marie-Antoinette. Sie durfte die Königin bei deren Arrestierung anfänglich noch in den Temple begleiten, wurde jedoch schon am 10. August 1793 zusammen mit weiteren Bediensteten für eine Anhörung vor den Nationalkonvent berufen und am 19. August ins Gefängnis "La Force" verbracht. Bei den grausamen Septembermassakern wurde sie dort vom Pöbel aufgegriffen, misshandelt, und brutal ermordet. Man steckte ihren Kopf auf eine Pike und trug ihn wie im Blutrausch zusammen mit dem hinterhergeschleiften Körper durch die Starßen von Paris bis zum Temple, um ihn dort der Königin zu präsentieren. Die dort anwesenden Beamten hatten Mühe den aufgebrachten Mob davon abzuhalten auch dieses Gefängnis zu stürmen.

Ihrem Schwiegervater gelang es, den Leichnahm der Princesse de Lamballe zurück zu erhalten, um ihn in der Chapelle Royale Saint-Louis in Dreux beisetzen zu lassen.

Hinweis: Die Stücke meiner Sammlung stehen grundsätzlich erst einmal nicht zum Verkauf. Diese Website stellt nur ein Online-Archiv dar. Sie haben Fragen?