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Die Association "Reconstruisons Saint-Cloud"

Vereinigung für den Wiederaufbau des Château de Saint-Cloud

Angestrebte Rekonstruktion des am 13. Oktober 1870 zerstörten Schlosses
 

Rekonstruktion des Château de Saint-Cloud
PAGEINIT
Geplante Rekonstruktion

Auf dieser Sonderseite möchte ich Ihnen eine französische Vereinigung und deren großartiges Projekt vorstellen: die Association "Reconstruisons Saint-Cloud" unter der Leitung des Präsidenten Herrn Laurent Bouvet.

Die unpolitische Vereinigung setzt sich seit mehreren Jahren für die Rekonstruktion des am 13. Oktober 1870 zerstörten Château de Saint-Cloud ein. Die Umsetzung dieses Projekts würde eine große Chance darstellen, der Achse Paris-Versailles sowie der gesamten Île-de-France ein sehr altes und wichtiges Stück Geschichte zurückzugeben, denn das Schloss ist unzertrennlich mit den Königen und Kaisern von Frankreich, dem Hof von Versailles und den anderen königlichen Residenzen verbunden. Als eines der größten französischen Schlösser seiner Zeit, war es Schauplatz vieler historischer Ereignisse und beherbergte unzählige große Persönlichkeiten der Geschichte.

Auf dieser Sonderseite erfahren Sie mehr über die Association "Reconstruisons Saint-Cloud" und ihr Projekt zur geplanten Rekonstruktion des Schlosses.

Die Association "Reconstruisons Saint-Cloud"

Eine Vereinigung mit Unterstützung von allen Seiten

Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 wird die unpolitische Vereinigung "Reconstruisons de Saint-Cloud" von einer täglich wachsenden Anzahl Projektbefürworter unterstützt. In der allgemeinen französischen Presse und allen wichtigen Tageszeitungen erscheinen immer häufiger positive Artikel über das Projekt. Auch die Berichterstattung diverser Fernseh- und Radiosender zeigt die positive Einstellung der Medien zu den Plänen. Dies stellt fast die wichtigste zu nehmende Hürde dar. Denn bei Rekonstruktionsprojekten wie dem des Château de Saint-Cloud wiegt die öffentliche Meinung – noch lange vor unmittelbaren politischen Entscheidungen – in der Regel schwer und die Überzeugung der Bevölkerung entscheidet schon im Vorfeld über das Stehen oder Fallen einer Wiedererrichtung. Im Gegensatz zu vielen anderen Rekonstruktionsprojekten wird das des Château de Saint-Cloud aufgrund der Gesamtheit in der Planung und den unzähligen daraus zu erwartenden Nutzen jedoch sehr positiv aufgenommen. So dass es mittlerweile sogar aus allen Bereichen der französischen Politik, bis hin zu den höchsten Instanzen, sehr viel Rückenstärkung für die Association "Reconstruisons de Saint-Cloud" gibt.

Cour d'honneur des Château de Saint-Cloud Aile Gauche und Bassin de Fer a Cheval an der Südseite des Schloss von Saint-Cloud Château de Saint-Cloud, südwestliche Ecke mit Blick auf den Aile Gauche - Association "Reconstruisons Saint-Cloud" Château de Saint-Cloud, Escalier d'Honneur - Association "Reconstruisons Saint-Cloud"
Zur Vereinigung

Reconstruisons Saint-Cloud

Präsident:

Laurent Bouvet

Anschrift:

Laurent Bouvet
Président de «Reconstruisons Saint-Cloud»
31 bis, boulevard du Château
92200 Neuilly-sur-Seine
Frankreich

Telefon:

+33 - 6 11 43 00 57

Offizielle Internetseite

Französischsprachige Website
mit vielen Informationen und Bildern zum Château de Saint-Cloud:
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Offizielle Facebook-Seite

Helfen Sie mit!
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Im Bereich "Adhésion" finden Sie ein Antragsformular (PDF/ 880 kb):

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Danksagungen

an Herrn Laurent Bouvet,
Ich möchte an dieser Stelle dem Präsidenten der Association "Reconstruisons Saint-Cloud", Herrn Laurent Bouvet, meinen herzlichen Dank dafür aussprechen, das hier gezeigte historische Bildmaterial, die 3D Grafik von M. Daniel und die bereitgestellten Informationen verwenden zu dürfen.

und Valentin Fiumefreddo,
Desweiteren danke ich Herrn Valentin Fiumefreddo für die freundliche Übersetzung der bereitgestellten Informationen.

Website besuchen

Auch außerhalb von Frankreich erreichen sowohl das ehemalige Schloss mit seiner langen und abwechslungsreichen Geschichte als auch das Rekonstruktionsprojekt einen immer höheren Bekanntheitsgrad. Und auch hier überwiegt fast durchweg die positive Meinung dazu. Da sind die in New York gegründeten "amis américains" fast obligatorisch, da es im Laufe der vergangenen Jahrzehnte schon immer viele begeisterte und einflußreiche amerikanische Freunde und Förderer von französischen Schlössern gegeben hat.

Selbstverständlich hat die Association "Reconstruisons de Saint-Cloud" auch ein Ehrenkommitee. Dieses Comité d'honneur setzt sich – thematisch passend – neben vielen bekannten Persönlichkeiten auch aus Mitgliedern der Häuser d' Orléans, vertreten durch "Prinz Henri d'Orléans, Comte de Paris" und "Prinz Charles-Philippe d'Orléans" sowie dem Haus Bourbon-Parme, vertreten durch "Prinz Charles-Emmanuel de Bourbon-Parme" zusammen. Mit diesen Persönlichkeiten hat das Rekonstruktionsprojekt Unterstützer gefunden, die zu den Nachfahren der damaligen Eigentümer und Erbauer des Château de Saint-Cloud gehören.

Warum existiert das Schloss nicht mehr?

Zerstörung des Château de Saint-Cloud am 13. Oktober 1870

Ruine des Schloss Château de Saint-Cloud Schloss Saint-Cloud Ruine des Aile Gauche und der Escalier d'Honneur Château de Saint-Cloud Ruine Aile Gauche und Eingagsbereich des Flügels

Während des deutsch-französischen Krieges (1870–1871) besetzten preußische und bayerische Truppen am 19. September 1870 die Anhöhen um Paris und nutzten das Château de Saint-Cloud als Hauptquartier. Bei den Kämpfen, die am 13. Oktober um die Stadt Châtillon ausbrachen, wurde diese Stellung von den auf dem Mont Valérien stationierten Verteidigern von Paris unter heftigen Dauerbeschuss genommen. Dabei wurde das Château de Saint-Cloud getroffen und fing Feuer. Das gesamte Schloss brannte bis auf seine Grundmauern nieder. Die verbleibende Ruine war in den folgenden zwanzig Jahren schutzlos der Witterung ausgeliefert. Die Gemäuer verfielen zusehends und wurden im Jahre 1891 schließlich abgebrochen.

Vom eigentlichen Schlossgebäude sind heute nur noch die alten Fundamente und einige Reste der ehemalig angrenzenden Terrassen erhalten. Von der langen Schlossgeschichte berichtet aber der fast vollständig erhaltene, 460 Hektar große und viel besuchte Park, die Domaine national de Saint-Cloud, in dem man die historischen Brunnen, Kaskaden, Fontainen und Statuen besichtigen kann.

Im Glossarthema zum Château de Saint-Cloud erfahren Sie mehr zur langen und ereignisreichen Geschichte und der Zerstörung des Schlosses.

Gedanken zur angestrebten Rekonstruktion von Saint-Cloud

Die Wiedererrichtung eines bedeutenden Monuments

Rekonstruktion Château de Saint-Cloud - Photomontage von M. Daniel EON

Viele Gegner von Rekonstruktionen verweisen in der Regel als erstes auf die immensen Kosten, die eine Rekonstruktion von historischen Gebäude mit sich bringt. Ähnliches mussten im Vorfeld auch die Planer und Befürworter des neuen Berliner Stadtschlosses feststellen. Jedoch stimmt dieses Argument nicht immer. Denn die unter Umständen zum Einsatz kommende traditionelle Bauweise ist oftmals viel günstiger als gedacht, meist sogar um ein vielfaches günstiger als die modernen und kalt in den Himmel ragenden Stararchitekten-Träume aus Beton, Stahl und Glas.

Weiterere Kritikpunke sind oft die, dass die beim Original verwendeten historischen Baumaterialien nicht mehr vollständig bekannt und die beim Abbruch eventuell gesicherten Gebäudereste nicht mehr oder nur noch schlecht erhalten sind. Darüberhinaus die alten handwerklichen Fertigungstechniken nicht mehr zur Verfügung stehen und das deshalb nur die moderne Kopie eines alten Gebäudes erschaffen wird. Eine Kopie, die obendrein die moderne und Reißbrett geplante und durchdachte Gestaltung einer heutigen Stadt beeinträchtigen könnte, wenn sie an längst neu um- und bebauten Originalstandplätzen errichtet wird. Dies ist der Hauptkritikpunkt, mit dem die Vereinigung zur Rekonstruktion des Palais des Tuileries in Paris zu kämpfen hat, wahrscheinlich mehr als alle anderen Planer von Rekonstruktionsvorhaben.

Jedoch kann man mögliche Kritiker im Falle der geplanten Rekonstruktion des Château de Saint-Cloud nur dazu ermutigen nicht nur die Wiedererrichtung des eigentlichen Gebäudes als den zentralen Aspekt zu sehen, sondern das ganzheitliche Projekt einmal aus allen Blickwinkeln zu betrachten, bevor mit den üblichen Kontrapunkten abgewunken wird:

Warum fiel die Wahl auf das Château de Saint-Cloud?

Wo liegen die Vorteile bei der Rekonstruktion dieses Gebäudes?

Sicherlich, das Château de Saint-Cloud ist nicht die einzige Residenz die der französischen Revolution oder dem darauf folgenden europäischen Zeitgeschehen zum Opfer gefallen ist. So war zum Beispiel das wirklich außergewöhnliche, kleine Lustschloss Château de Marly [vgl. LA 0005] seit seiner Errichtung im 17. Jahrhundert ebenfalls sehr eng mit der Geschichte Frankreichs verbunden. Mit Einsetzen der Revolution wurde es erst nicht mehr genutzt und dann in eine Baumwollmanufaktur umgewandelt die kurz darauf Konkurs anmeldete. Marly verfiel immer mehr und wurde 1816 schließlich abgetragen. Pläne für eine Rekonstruktion gibt es nicht.
Das Château de Chanteloup brannte 1823 nieder. Die Ruine lag genau wie die von Saint-Cloud lange brach und wurde danach nicht wieder aufgebaut. Rein geschichtlich betrachtet kämen Schlösser wie Bellevue, Clagny, Choisy oder Meudon für einen Wiederaufbau genauso in Frage wie das Château de Saint-Cloud. Für den Palais des Tuileries in Paris gibt es aktuell ja sogar Bemühungen eine Rekonstruktion durchzusetzen, wenn auch mit massiver Gegenwehr von vielen Seiten. Und dabei wäre – wenn man schon eine imaginäre Rangliste von geeigneten Kanditaten für eine Wiederaufbau erstellt – dieses alte, von Catherine de Médicis errichtete Stadtschloss doch recht weit oben auf solch einer Liste anzusiedeln.
Warum entscheidet man sich also nicht für eines der kleineren, in der Rekonstruktion scheinbar günstigeren Schlösser oder gleich für das bekannteste von den hier aufgeführten Beispielen? Warum gründet sich also eine Vereinigung, deren Anliegen die Rekonstruktion des Château de Saint-Cloud ist?

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Château de Saint-Cloud - Erdgeschoss
Château de Saint-Cloud: hofseitige Fassade des Corps de Logis
Kupferstich von Mariette, 1738
Château de Saint-Cloud - Erdgeschoss
Château de Saint-Cloud: Aufriss Südflügel, Garten- und Hofseite
Kupferstich von Mariette, 1738
Château de Saint-Cloud - Erdgeschoss
Château de Saint-Cloud: Querschnitt des Corps de Logis
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - Erdgeschoss
Château de Saint-Cloud: Erdgeschoss
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - Erdgeschoss
Château de Saint-Cloud: erste Etage
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - zweite Etage
Château de Saint-Cloud: zweite Etage
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - dritte Etage
Château de Saint-Cloud: dritte Etage
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - vierte Etage
Château de Saint-Cloud: vierte Etage
Plan der Umbauarbeiten durch Richard Mique, 1786
Château de Saint-Cloud - vierte Etage
Grand Escalier im Südflügel (aile gauche)
Château de Saint-Cloud

Der Hauptgrund dafür ist ganz einfach erklärt und spielt dem Rekonstruktionsvorhaben in die Hand. Denn im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten Gebäuden hat das Château de Saint-Cloud einmal abgesehen von den vielen historischen Ereignissen und Persönlichkeiten, die mit dem Schloss in Verbindung stehen und auf die ich im Bereich Geschichte näher eingehe – einen wesentlichen Vorteil: Erhaltene und ableitbare Informationen!
Dank umfangreicher Umbaumaßnahmen kurz vor Ausbruch der französischen Revolution durch den Architekten Richard Mique, sind bis in unsere Zeit viele Ansichten, Pläne, Grund- und Aufrisse des Gebäudes erhalten. Das Schloss wurde im Laufe der Jahrhunderte zwar stetig modifiziert und zu früheren Umbauten und Erweiterungen sind leider nur noch spärliche Informationen erhalten, weshalb die Historiker bis heute über eine exakte Zuordnung verschiedener Bauabschnitte zu den jeweiligen Eigentümern diskutieren, dies ist für die Rekonstruktion jedoch nicht von Bedeutung und beeinträchtigt die Gesamtplanungen nicht wirklich. Denn für eine Wiedererrichtung zählt nicht vorrangig die genaue Kenntnis darüber, wer was hat ändern lassen, sondern die Fülle an Informationen, die zum idealen Ergebnis führen. Und die letzten großen und damit entscheidenden Umbauarbeiten, welche auch das letztendliche Aussehen des Schlossgebäudes vor der Zerstörung bestimmten, sind ausführlich dokumentiert. Dadurch überdauerten nebst eingetragenen Maßangaben, ausführliche Grundrisse mit dem finalen Stand der Raumaufteilungen vom Erdgeschoss und allen vier Etagen sowie veranschaulichende Querschnittzeichnungen durch die drei Schlossflügel und ihre Stockwerke. Die Rekonstruktionsplaner können sich also zumindest bei diesen gut dokumentierten Bereichen an die präzise aufgezeichneten Vorgaben halten. Darüber hinaus hat man beim Abbruch der Schlossruine glücklicherweise die alten Fundamente nicht entfernt. Der exakte Standort, die Ausrichtung und die Dimensionen des Bauwerks sind also schon vorgegeben.

Ergänzt werden Miques Pläne durch ältere Informationen zum Schloss. An einer Stelle geben uns beispielsweise die detaillierten, technisch und präzise ausgearbeiteten Gravuren von Silvestre oder Mariette ein klar gegliedertes Bild von den Fassaden, deren Gestaltung, Einteilung und Proportionen, wiederum an ander Stelle verdanken wir dem Umstand, dass das Schloss im Besitz der königlichen Familie war, ausführliche Querschnitte und erläuternde Detailstudien in den monumentalen Architekturpublikationen von Blondel und Lepautre.

Da das Château de Saint-Cloud die französische Revolution unbeschadet überstanden hat und bis zu seiner Zerstörung im 19. Jahrhundert als offizielle Residenz genutzt wurde, kann heute auf mehr als nur die genannten alten Pläne und Gravuren zurückgegriffen werden, denn in diesem Jahrhundert folgte ein technischer Durchbruch, der den heutigen Planern wieder in die Hände spielt. Die Fotografie trat ihren Siegeszug an, dicht gefolgt vom Erscheinen der ersten Carte de Visite. Beide Medien haben das Château de Saint-Cloud in unzähligen Perspektiven von außen und innen festgehalten und vermitteln – zumindest in Graustufen oder manchmal sogar nachcoloriert – einen Eindruck von vielen architektonischen, räumlichen und gestalterischen Begebenheiten.
Dies gilt auch für die ebenfalls auf diese Weise unbeabsichtigt ausführlich dokumentierte Ruine. So seltsam es klingen mag, jedoch können selbst aus Bildern des ausgebrannten und teils in sich zusammengefallenen Schlosses noch Rückschlüsse gezogen werden, welche von Fotografien des intakten Gebäudes nicht preisgegeben werden. Die Bilder der verbliebenen steinernen Hülle erlauben dem Betrachter eine Art "Röntgenblick" in sonst verborgene Gebäudestrukturen. Informationen, die normalerweise unsichtbar sind oder bewußt unsichtbar gemacht wurden, sind auf diesen Bildern wiederzuerkennen. Räumliche Begebenheiten, die eigentlich hinter Fenstern, Türen, Mauerwerk, Böden und Decken verborgen sind, können bei der Ruine – vom Standort des Fotografen aus – eingesehen werden, wenn auch nicht im optimalen Originalzustand.

Die Rekonstruktion der Innenausstattung

Château de Saint-Cloud - Salon de Venus, Galierie d'Apollon und Salon de Mars

Komplizierter gestaltet sich grundsätzlich die detailgetreue Rekonstruktion der ehemaligen Innenausstattung. Dies gilt jedoch nicht nur für das Château de Saint-Cloud, von dem vor der Zerstörung glücklicherweise einige der repräsentativen Prunkräume, wichtigen Salons, Appartements und Treppenhäuser fotografisch festgehalten werden konnten. Denn ist die installation der ursprünglichen Räume ganz oder zumindest in Teilen gewünscht, stellt sie die Rekonstruktionsplaner vor viel größere Probleme als das eigentliche Gebäude. Denn in der Regel gibt es vom Originalzustand der Inneneinreichtung nur wenige oder gar keine Ansichten. Im Idealfall wurden vereinzelte Kupferstiche angefertigt, die jedoch lediglich Elemente, Formen, Flächen oder Muster, nie aber einen wirklichen, farblichen Eindruck und schon gar nicht die verwendeten Materialien wiedergeben. Die idealisierten Gemälde großer Künstler aus dieser Zeit sind meist noch unverläßlicher. Also greift man bei Dekoration und Einrichtung meistens auf den allgemeinen Geschmack der jeweiligen Epochen zurück, um dem möglichen Aussehen der damaligen Ausstattung wenigstens nahe zu kommen und den Stil der Zeit zu vermitteln.

Bett von Marie-Antoinette, Château de VersaillesIm Gegensatz zum Berliner Stadtschloss ist für Saint-Cloud auch eine Wiederherstellung der Innenausstattung anvisiert. Eine Umsetzungsvariante wie beim Berliner Stadtschloss, nämlich die detaillierte Rekonstruktion der Gebäudeflügel und Fassaden und die installation eines modernen Innenlebens soll nach Möglichkeit vermieden werden. Informationen und Belege der Ausstattung von Philippe I. d'Orléans sind bis auf die bereits erwähnten Ansichten der Prunksäle, wie zum Beispiel die der Galerie d'Apollon im Nordflügel, die trotz aller Umbaumaßnahmen fast unverändert blieb, kaum noch vorhanden. Wie ebenfalls bereits erwähnt, kann aber auf eine Anzahl Schwarzweiß-Fotografien zurückgegriffen werden.

Aus der Zeit von Marie-Antoinette liegen Rechnungen über die Einrichtung und Verschönerung ihrer Apartements im Château de Versailles und dem Petit Trianon vor. Diesen Belegen sind oftmals gut erhaltene Stoffmuster von verwendeten Wand- und Möbelbezügen beigefügt, welche folglich nicht nur dem Geschmack der Zeit, sondern auch ihrem persönlichen entsprechen. Dies trifft besonders für die archivierten Muster des Petit Trianon, dem bevorzugten Rückzugsort der Königin zu. Da sie auch bei den letzten großen Veränderungen in Saint-Cloud einen großen Teil der Räumlcihkeiten neu dekorieren ließ, können diese vorhandenen Originalstoffe und Muster bei einer möglichen Wiederherrichtung der Appartements zu Rate gezogen und im Abgleich mit den vorhandenen Fotografien als Vorlage verwendet werden. Ebenso wurde vor kurzer Zeit im Château de Versailles und dem Petit Trianon verfahren, wo man bei den laufenden Restaurationsarbeiten zu Grand Versailles entsprechende Räumlichkeiten in den Zustand zur Zeit der letzten Königin versetzte. Diese Begebenheit könnte also auch Saint-Cloud zugute kommen.

Mobiliar Château de Saint-Cloud und Gemälde von Fournier, Château de Compiègne

Dies würde jedoch nur einen Teil der im Château de Saint-Cloud aufeinander treffenden Epochen wiederspiegeln. Der Künstler Jean Baptiste Fortuné de Fournier malte zu Beginn des 19. Jahrhunderts realistische Ansichten verschiedener Salons der Kaiserin Eugénie. Sie lassen sich wie die ausgearbeitete Kundenpräsentation eines professionellen Innenarchitekten lesen. In leuchtenden Farben brachte er die freundlichen, hellen Räume zu Papier und überliefert auf diese Weise – völlig unbeabsichtigt – jedes noch so kleine Detail dieser Räumlichkeiten. Von der Farbe und Musterung der Bodenbeläge und Polsterbezüge über die luftigen Vorhänge mit goldbestickten Kanten bis hin zu Wandverkleidungen und Ornamentik der Stuckarbeiten geben seine Bilder Auskunft.

Armsessel, Salon des Jeux, Château de Saint-Cloud - Metropolitan Museum of ArtSogar die Möbelierung verschiedener Appartements und Salons kann anhand dieser Zeugnisse gegengeprüft und rekonstruiert werden. Dank der geistesgegenwärtigen Auslagerung vieler Objekte auf Anweisung der Kaiserin Eugénie unmittelbar vor Kriegsbeginn im Jahre 1870, haben die kostbarsten Einrichtungsgegenstände nicht nur das Feuer im Schloss überstanden, sondern sind partiell sogar bis heute erhalten. Denn die Kaiserin schaffte einen Großteil der wertvollen Möbel, Gemälde und andere Kunstwerke nach Paris in den Palais du Louvre und in die Magazine der Garde-Meubles. Schon zur Zeit des Ancien Régime und auch darüber hinaus war diese Abteilung des Maison du Roi für die Bereitstellung von Mobiliar und anderen Einrichtungsgegenständen für die königlichen Residenzen zuständig. Die Garde-Meubles führte ausführliche Listen mit exakten Beschreibungen jedes bereitgestellten Inventars. Solche in den Staatsarchiven erhaltenen Unterlagen ermöglichen es, jedem noch so bescheidenen Raum alle zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Inventare zuzuordnen. Vom Paravent über Uhren, Kron- und Wandleuchter, Spiegel und Möbelstücke bis hin zum üblicherweise auswechselbaren Kaminsims. Diese Objekte können, insofern sie noch erhalten sind, an ihren alten Platz zurückverbracht werden. Sei es durch das Durchsuchen der alten Magazinbestände nach dem Original, durch Ankauf des Originals vom heutigen Besitzer oder durch das Ersetzen des Originals durch ein der Beschreibung der Garde-Meubles entsprechendem oder ähnlichen Stück aus der Epoche.

Mobiliar Château de Saint-Cloud und Gemälde von Fournier, Château de Compiègne

Fehlende Informationen anhand anderer Bauwerke ableiten

Die genaue Kenntnis über das ursprüngliche Aussehen der Fassaden, die Anordnung von Gebäuderiegeln oder die richtige Raumeinteilung ist sicherlich nicht alles, was für eine gelungene und möglichst originalgetreue Rekonstruktion wichtig ist. Selbstverständlich wird man auch beim Château de Saint-Cloud viele Details zum Gebäude, dessen Einrichtung und die verwendeten Bau- und Dekorationsmaterialien nicht mehr nachvollziehen können. Aber alle bis zum heutigen Zeitpunkt schon vorhandenen Einzelinformationen lassen sich bereits zu einem nicht unerheblich großen Gesamtpuzzle zusammenfügen. Die langwierige Recherche nach möglichst vielen verwertbaren Grundinformationen, die für einen Anfang unerlässlich sind, wäre beim Château de Saint-Cloud also nicht mehr in vollem Umfang nötig und weitaus weniger kompliziert als bei anderen Projekten.
Natürlich wird es bei einer Rekonstruktion des Schlosses mit ziemlicher Sicherheit auch noch sehr viel Raum für Spekulationen geben, dies zeigen die Erfahrungen mit anderen bereits wiedererrichteten Gebäuden. Jedoch halten die Planer auch für diesen Fall einen nur für das Château de Saint-Cloud gültigen Trumpf in den Händen. Überall dort, wo sie in der Umsetzung über nicht mehr vorhandene Informationen stolpern oder wo diese zu lückenhaft sind, gibt es die Möglichkeit andere "Projekte" der Architekten von Saint-Cloud zu Rate zu ziehen. Grade einige Gebäudeabschnitte des Château de Versailles drängen sich hier als Informationsdatenbank förmlich auf. Denn die kleinen Vorgängerbauten beider Residenzen wurden nicht nur fast zeitgleich im 17. Jahrhundert von den Brüdern Louis XIV. und Philippe I. d'Orléans übernommen und dann abschnittsweise erweitert, auch die königlichen Architekten Mansart und Mique verwirklichten sich – jeder in seiner Epoche – mit ihrem technischen Know-How und dem persönlichen Feingespür für Ästhetik an Bereichen beider Schlösser. Sie werden für identische Problemstellungen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ähnliche Lösungswege für die Umsetzung eingeschlagen haben.

Die Eingliederung in das heutige Landschaftsbild

Château de Saint-Cloud, ehemaliger Standort des Schlosses

Bleibt also noch der Punkt übrig, sich über die Verfügbarkeit des historischen Originalstandplatzes Gedanken zu machen. Lässt sich eine Rekonstruktion überhaupt mit dem heutigen Zustand dieses Ortes vereinbaren? Die in anderen Rekonstruktionsfällen aufgeführten Contra-Argumente gehen oft in die folgende Richtung:

• "Es entsteht ein nicht oder nur schlecht zu vereinbarender Kontrast zwischen der natürlich gewachsenen, modernen Umgebung und einem (optischen) Fremdkörper aus einer längst vergangenen Epoche, der nachträglich in dieses Bild eingepflanzt wird, was unter Umständen das Gesamtbild stört."

oder: "eine an ihrem Originalstandort – welcher definitiv auf irgendeine Weise in das heutige Stadtbild integriert ist – entstehende Rekonstruktion, schafft möglicherweise einen Bruch von bewusst angelegten Sichtachsen, was die Gesamtwirkung ganzer Stadtbereiche und Gebäudensembles negativ beeinflusst."

Parkanlagen des ehemaligen Château de Saint-CloudDiese Gegenargumente sind in vielen Fällen auf jeden Fall berechtigt und im Vorfeld genau zu bedenken. Jedoch fallen sie bei der Rekonstruktion des Château de Saint-Cloud nicht ins Gewicht. Das Schloss wird wie alle rekonstruierten Gebäude an seinem damaligen Originalstandort, also im zugehörigen Schlosspark wiedererrichtet werden. Dieser hat sich – mit Ausnahme des fehlenden Schlosses – bis heute nahezu unverändert erhalten. Durch die Rekonstruktion kehrt das Gebäude also in seine "natürliche Umgebung" zurück. Dadurch wird das Bild der Umgebung nicht gestört, vielmehr würde auf diese Weise der im Augenblick "gestörte Ist-Zustand" eines unvollständigen Gesamtbildes wieder korrigiert werden. Die 500 Hektar große Domaine nationale de Saint-Cloud mit ihren französischen Gärten, den alten Bassins, Kaskaden, Fontainen, Alleen und Statuen wird tagtäglich von sehr vielen Anwohnern der Metropole Pairs und Touristen aus der ganzen Welt besichtigt. Letztere müssen ihn mehr oder weniger automatisch passieren, wenn sie zwischen den Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt, dem Château de Versailles und den anderen Residenzen der Île-de-France hin und her pendeln. Ähnlich wie zum Beispiel der Wiederaufbau der mittelalterlichen Lübecker Altstadt nach deren Zerstörung im zweiten Weltkrieg oder die Rekonstruktion von Semper Oper, Zwinger und Frauenkirche im zerstörten Dresden, wird sich auch die Rekonstruktion des Château de Saint-Cloud, welches einen wesentlichen Bestandteil der geschichtlich zusammengehörenden Stätten in dieser Region darstellt, allein schon aus touristischer Sicht sehr positiv auswirken.

Ein durchdachtes Projekt

Ökonomisch und selbstfinanzierend mit nachhaltiger Entwicklungsperspektive

Das Projekt der "Association Reconstuisons Saint-Cloud" ist dahingehend angelegt, dass es nicht nur um die eigentliche Rekonstruktion des Schlossgebäudes geht. Über einen längeren Zeitraum geplant, soll die Baustelle des "neuen" Château de Saint-Cloud – als absolutes Novum – zu einem lebendigen Museum und einer Schule des Handwerks, wie zum Beispiel der Steinmetzkunst, Maurer-, Tischler- und Schmiedearbeiten, Stuck, Dekoration, Weberei, Malerei und vielen weiteren werden. Diese Idee brachte weitere Befürworter auf den Plan. Pierre Chevalier, der Präsident der "Société d'Encouragement aux Métiers d’Art" (französische Gesellschaft zur Förderung des Handwerks) sicherte der Association Reconstruissons Saint-Cloud in einem Schreiben vom 24. Februar 2009 die volle Unterstützung seiner Gesellschaft zu. Denn das Projekt bietet die einmalige Möglichkeit, altbewährte und hochwertig ausgeführte Handwerkstechniken, welche in unserer industriell geprägten und auf Masse ausgelegten Zeit fast unwiederbringlich verloren gegangen sind, genau zu studieren, zu diskutieren, von Grund auf neu zu erlernen, zu verfeinern und – kombiniert mit modernen Arbeitsweisen – nach Anleitung von Originalplänen direkt vor Ort am Objekt einzusetzen. Ein tieferes Grundwissen über ihre Arbeitsbereiche kann den beteiligten Handwerken nicht vermittelt werden.

Die auf diese Weise umgesetzte Rekonstruktion gewährt nicht nur Historikern und Archäologen tiefe Einblicke, sondern eröffnet all den dort direkt und indirekt zum Einsatz kommenden technischen und künstlerischen Berufen eine unerschöpfliche Wissensquelle. Denn den beteiligten Fachleuten aus allen Bereichen eröffnet sich so ein intimer Einblick in eine längst vergangen Zeit und deren über viele Jahrhunderte enstandenes und bewährtes Fachwissen, welches die heutigen, höchst effizienten Techniken um ein vielfaches bereichern kann und wird. So haben wir in Zukunft vieleicht die Möglichkeit, mit ganz neuen Gedankenansätzen und Ideen an neue Projekte heranzugehen.

Da die Domaine nationale de Saint-Cloud, der alte Schlosspark, bereits ein beliebtes Ausflugsziel für Anwohner und Touristen ist, soll auch die Baustelle des Schlosses während der gesamten Zeit für interessierte Besucher begehbar sein. Auch größere Gruppen, wie Schulen oder Studiengänge aus entsprechenden Fachbereichen sind zur Begehung eingeladen. Diese können sich dort über die eigentliche Rekonstruktion, historische Bau- und Gestaltungstechniken und natürlich über die lange Geschichte des Schlosses und seine Bewohner informieren. Neben den üblichen privaten Spenden soll so ein Teil der Finanzierung gedeckt werden. Ähnlich dem aktuell laufenden Studienprojekt der Burg Guédelon, jedoch standortbedingt finanziell um ein Vielfaches selbsttragender.
Guédelon liegt, anders als Saint-Cloud, leider in keinem touristischem Kerngebiet, ist aber ebenfalls ein sehr interessantes Projekt. Es stellt keine Rekonstruktion eines historischen Gebäudes dar, sondern ist durchweg als wissenschaftliche Arbeit gedacht. Über einen geplanten Zeitraum von 25 Jahren wird von verschiedenen Forschern, Historikern und Archäologen ein "Neubau" im Stil einer mittelalterlichen Burganlage errichtet. Dafür werden ausschließlich historisch belegte Materialen und die im Mittelalter zur Verfügung stehenden Techniken verwendet. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten auf diese Weise schon viele ungeklärte Fragen beantwortet und sehr viel über die Menschen und Konstrukteure dieser Zeit sowie deren Fähigkeiten gelernt werden. Die Rekonstruktion von Saint-Cloud könnte hier direkt anschließen und gleich mehrere spätere Epochen beleuchten.

Ein persönliches Anliegen

Abschlußgedanken zur Rekonstruktion

Als Sammler von historischen Dokumenten und anderen Objekten aus der Zeit des französischen Ancien Régime und der nachrevolutionären Restauration, ist es mir ein wichtiges Anliegen und eine Ehrensache das Projekt der Association "Reconstruisons Saint-Cloud" mit dieser Sonderseite zu unterstützen. Leider gibt es aktuell kaum deutschsprachige Informationen zur den Rekonstruktionsplänen des Schlosses. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn ich mit den hier bereitgestellten Informationen zur Vereinigung und der zugehörigen Glossarseite über die Geschichte des Château de Saint-Cloud auch hier in Deutschland bei vielen Menschen das Interesse für das zerstörte Monument und das großartige Projekt der Association "Reconstruisons Saint-Cloud" wecken kann. Denn die Idee dazu wird auch zukünftig nur durch die fortwährende Unterstützung von möglichst vielen informierten Befürwortern so erfolgreich weiter wachsen, wie dies bisher der Fall war. Je mehr Unterstützer das Projekt findet, desto höher wird nicht nur die Wahrscheinlichkeit der wirklichen Umsetzung, sondern desto näher rückt auch der Tag, an dem diese beginnen kann.

Eine Verbreitung des Vorhabens ist also immens wichtig für die weitere Arbeit der Association "Reconstruisons de Saint-Cloud". Sei es durch das Bekanntmachen des ausgereiften Gesamtkonzeptes oder durch eine persönliche Mitgliedschaft. Ein entsprechendes Antragsformular finden Sie über den unten stehenden Link zur Website der Association "Reconstruisons Saint-Cloud". Vielleicht hilft Ihre Unterstützung beim Wiederaufbau des Château de Saint-Cloud genau so, wie der großartige Einsatz all der Menschen aus anderen Ländern, die bei der Rekonstruktion historischer Gebäude hier bei uns in Deutschland ebenso bereitwillig geholfen haben. Das wäre von deutscher Seite natürlich erst recht eine schöne Geste, weil das Schloss während des deutsch-französischen Krieges zerstört wurde.

Gerne beantworte ich – nach Möglichkeit – Ihre Fragen zum Projekt oder dem Château de Saint Cloud. Weitere Informationen zur Vereinigung und dem Projekt finden Sie auf der französischen Webseite www.reconstruisonssaintcloud.fr. *Bitte beachten Sie hierzu auch den Disclaimer im Impressum dieser Website.

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