Palais du Louvre

Topographia Galliae - Prosp. de la partie du Louvre,
wie solcher im Garten anzusehen

Caspar Merian, um 1655 bis 1661

Ansicht des Palais du Louvre aus der Topographia Galliae (Prosp. de la partie du Louvre, wie solcher im Garten anzusehen), Caspar Merian, 1655

Dieser Kupferstich vom Palais du Louvre aus der Zeit um 1655, stammt aus der "Topographia Galliae" von Caspar Merian und ist im Original vom französischen Maler und Graveur Israël Silvestre. Abgebildet ist ein Teil des Palais du Louvre in Paris. Dieser hatte zur Zeit des Graveurs zwar schon gewaltige Ausmaße, die heutige Größe und Optik erhielt er jedoch erst im 19. Jahrhundert. Eine weitere Modernisierung (Pyramide) fand in den 1980er Jahren statt. So blickt dieses Gebäude mit einigen Unterbrechungen auf eine fast 800-jährige Baugeschichte zurück, angefangen mit der ersten, von Philippe II. um 1190 im Donjon-Stil errichteten Festung. Zu erkennen ist hier die ehemalige südliche Fassade des heutigen Sully-Flügels, wie sie nach den Erweiterungsarbeiten durch Henri IV. ausgesehen hat.

Rennaissance-Ansicht des Louvre mit einigen Resten der mittelalterlichen Anlage Wasserzeichen im Papier der Topographia Galliae von Caspar Merian
Kupferstich

[Magazin-N°: GR 00016]

Prosp. de la partie du Louvre, wie solcher im Garten anzusehen,
Einzelblatt aus der: "Topographia Galliae";

Autoren:

Caspar Merian,
Frankfurt am Main,
(Topographia Galliae);

Entwurf:

Israël Silvestre,
Silvestre erstellte die Originalgravur, die Merian hier als Vorlage diente;

Graveur:

Caspar Merian;

Publikationsdatum:

um 1655 bis 1661;

Druck:

Kupferstich, sw;

Bogengröße:

ca. 368 x 300 mm;

Plattengröße:

ca. 257 x 175 mm;

Erhaltung:

schönes und einwandfreies Exemplar mit kräftigem Abdruck und klarem Wasserzeichen im Papier;

Von der Seine-Seite aus gesehen, mit Blick über den Garten, erkennt man die äußere Renaissancefassade der quadratischen "Cour Carrée", welche hier rechts noch mit einem runden Turm der mittelalterlichen Burganlage endet. Mittig innerhalb der abgebildeten Fassade überragt der heute ebenfalls anders aussehende "Pavillion du Roi" den Gebäudetrakt. Dieser entstand aus einem Torturm des Vorgängerbaus und ist nach links wiederum durch einen kurzen Flügel mit der bereits unter Charles IX. begonnenen und durch "Louis Métezeau" aufgestockten "Petit Galerie" verbunden. Die Petit Galerie ist hier allerdings nur ganz links durch eine dunkle Gebäudeecke zu erkennen.

Der Grand Louvre nach den Plänen von Henri IV.

Zwischen dem mittelalterlichen Standort (rechts) und dem Palais des Tuileries erstreckt sich entlang der Seine die neue Grande Galerie.

Der Grand Louvre nach den Plänen von Charles IX., Henri II. und Henri IV.

Von der Petit Galerie erstreckt sich weitläufig die zur Zeit des Kupferstichs relativ neue und von "Androuet du Cerceau" errichtete "Grande Galerie". Mit diesem "Grand Dessin" genannten Projekt setzte Henri IV. die Pläne und begonnenen Arbeiten von Charles IX. und Henri III. um. Parallel zur Seine verlaufend, verbindet sie den Palais du Louvre mit dem Palais des Tuileries. Zusammen mit diesem von Caterina de' Medici (1519-1589) errichteten Stadtschloss entstand so ein gewaltiges Bauwerk, dessen Ausmaße die Grafik oben verdeutlicht. Recht klein wirkt der Komplex den Caspar Merian verewigte. Dieser liegt vom Ufer der Seine aus betrachtet stadtseitig rechts.

Erweiterungsarbeiten durch Louis XIV. und Louis XV.

Der auf Caspar Merians Kupferstich abgebildete Flügel erhält die heute noch zu bewundernde Fassade mit ihren Kolossalsäulen.

Bevor der Sonnenkönig Paris den Rücken kehrte und mit dem Hof nach Versailles ging, ließ er den Palais du Tuileries erweitern und vollenden. Unter anderem inszenierteder Sonnenkönig Louis XIV. (1638-1715) hier im durch die Grand Galerie entstandenen Innenhof im Jahre 1662 das "Carousel". Ein großes Fest, welches in erster Linie dazu diente den Adel bei Laune zu halten, damit es nicht wieder zu einem Aufstand wie bei der Fronde kam (1648-1653). Auch den auf diesem Kupferstich abgebildeten Flügel des Louvre ließ er umbauen. So entstand ein Meisterwerk der französischen Architektur, die stadtseitige Kolonade mit ihren über zwei Stockwerke laufenden Kolossalsäulen. Der Entwurf dieser Fassade ist einer Architektengruppe unter "Claude Perrault" zu zuschreiben, der auch "Le Vau" und Charles Le Brun angehörten. Perrault legte 1672 den Entwurf für die neue Kolonade vor. Im Jahr 1668 verdoppelte Le Vau die Breite des Palastes und konstruierte die neue Fassade. Dabei wurden die letzten Reste des mittelalterlichen Louvre abgetragen. Die Arbeiten wurden jedoch schon 1672 wieder gestoppt, als Ludwig XIV. sein Hauptinteresse und den Hof nach Versailles verlagerte. Le Vau und Le Brun werden sich dort zusammen mit André Le Nôtre, welcher auch schon die neuen französischen Gärten der Tuilerien gestaltete, noch einen Namen beim Bau und der Gestaltung des Château de Versailles machen. Mit Fortschreiten der immensen und Unsummen verschlingenden Bautätigkeiten in Versailles ordnete Jean-Baptiste Colbert, der Contrôleur général des Finances des Königs war, die Einstellung der Arbeiten am Louvre an. Die Gebäudeteile der Cour Carrée blieben ohne Dach und waren so fast ein Jahrhundert lang der Witterung ausgesetzt.

Topographia Galliae Prosp. de la partie du Louvre, wie solcher im Garten anzusehen. Caspar Merian, 1655

Erst im Jahre 1759 ordnete Louis XV. die Wiederaufnahme der Bautätigkeiten an. Die unter Ludwig XIV. begonnenen Flügel waren teilweise fertiggestellt und Nord-, Ost- und Südseite der Cour Carrée wurden final mit einem Dach versehen. Ebenfalls wurden die Häuser am Fuß der großen Kolonade und ein Komplex alter Gebäude in der Cour Carrée abgebrochen um den Palast "frei stehend" zu haben. 1791 beschloss das Nationalkommitee in einem Dekret, dass der Palais du Louvre zusammen mit dem Palais des Tuileries zum neuen Sitz des Königs werden und darüberhinaus die wichtigsten Stücke aus Forschung und Kunst beherbergen sollte. Hier sehen Sie den heutigen Louvre aus einer ähnlichen Perspektive, wie Caspar Merian den Vorgängerbau in der Topographia Galliae verewigte.

Der Palais du Louvre heute

Die gesamte "Topographia Galliae" enthält 324 Kupfertafeln mit 414 Abbildungen. Sie stellt das erste Werk des Verlages Merian dar und wurde als Nachläufer der vorangegangenen "Topographia Germaniae" gestochen und verlegt. Die "Topographia Galliae" ist allein schon wegen der vielen Zitate innerhalb der Texte von "Martin Zeiller" (1589-1651) eine sehr detaillierte Quelle für die verschiedensten Informationen der Zeit. Zitat L.H. Wüthrich:"Es gibt kein vergleichbares Werk in deutscher Sprache zu ganz Frankreich, das in Bezug auf das Material, aus dem es sich zusammensetzt, derart reich facettiert ist".

Hinweis: Die Stücke meiner Sammlung stehen grundsätzlich erst einmal nicht zum Verkauf. Diese Website stellt nur ein Online-Archiv dar. Sie haben Fragen?