Collection
Louis de France

Privatsammlung zum französischen Ancien Régime

Collection Louis de France: Privatsammlung zum französischen Ancien Régime, den Königen von Frankreich und Navarra und der höfischen Gesellschaft von Versailles.

Das Königreich Frankreich

Absolute Monarchie und fremdartiges Relikt

Betrachtet man die frühmoderne Staatlichkeit des französischen Ancien Régime aus heutiger Sicht, zeichnet sich ein kontroverses Bild, das nur schwer mit unserer demokratischen Gesellschaftsordnung zu vereinen ist. Insbesondere der Absolutheitsanspruch der Monarchen dieser Zeit erscheint uns aus der heutigen Perspektive als fremdartiges Relikt.

So wurde dem französischen König Louis XIV. von der älteren Geschichtsforschung oft die zum absolutistischen Leitsatz erklärte Aussage « l 'État, c'est moi » in den Mund gelegt. Louis XV. unterstellte sie Faulheit und Desinteresse, seinem Nachfolger Louis XVI. Schwäche, ja gar mangelnde Intelligenz und dessen Gemahlin Marie-Antoinette soll ihrem hungernden Volk in Zeiten von Brotknappheit sogar den Verzehr von Brioche vorgeschlagen haben. Solche Thesen sind heute mehrheitlich wissenschaftlich widerlegt und selbst der Absolutismusbegriff wird in Frage gestellt, das über die Jahrhunderte vermittelte Bild hält sich jedoch hartnäckig.
Aber wer waren diese Monarchen aus dem Haus Bourbon und ihre Vorgänger nun wirklich? Despoten, weltfremde Aristokraten von Gottesgnaden, verschwenderische Bauherren und ignorante Ausbeuter ohne die nötige Weitsicht für die sich ändernden Zeiten? Von der Französischen Revolution als Tyrannen klassifiziert, während der Restauration zu Märtyrern glorifiziert, sind sie heute meist nur noch für ihre Paläste, Maîtressen und Kriege bekannt. Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen haben die Wirklichkeit teils stark verzerrt und Historiker leisten seit Jahren intensive Recherchearbeit, um ein möglichst realistisches Bild rekonstruieren zu können.


 

Gegenstand der Sammlung

Königtum und höfische Gesellschaft

Die Privatsammlung « Collection Louis de France » befasst sich anhand historischer Quellen in Form von Handschriften und gedruckten Publikationen vorwiegend mit der frühneuzeitlichen Geschichte des französischen Ancien Régime unter der Herrschaft der bourbonischen Könige von Frankreich und Navarra. Sie beleuchtet den Aufstieg und Niedergang der Häuser Valois und Bourbon, die aus der Linie der Capétiens (Kapetinger) hervorgingen, die von 987 bis 1789 – als konstitutionelle Monarchie bis 1792 – die Politik Frankreichs bestimmten und die Geschichte Europas und der Welt entscheidend mitgeprägt haben. Dabei liegt der Fokus der Sammlung nicht ausschließlich auf den Monarchen und deren Regentschaft. Vielmehr geht es um das Spannungsfeld von 'absolut' regierendem Königtum, höfischer Gesellschaft und dem 'normalen' alltäglichen Leben.

Hierfür ist ein weit fokussierter Blick auf die völlig verschiedenen Lebenswelten von königlicher Familie, Hochadel (noblesse d'epée), Hofadel sowie Amtsadel (noblesse de robe) und niederem Adel, des Klerus und der diesen beiden Ständen gegenüberstehenden einfachen Bevölkerung nötig. Ein historisierender Blick auf eine vormoderne, ständisch organisierte Gesellschaft, in deren Selbstverständnis soziale Ordnung nur aus der vermeintlich 'gottgewollten' Ungleichheit erwachsen konnte.
Dieser Blick fällt unter anderem auf historische Quellen, die sich mit Regentschaft, Politik, Gesetzen, Gerichtsbarkeit und deren Auswirkungen, mit Krieg und Frieden, Leben und Sterben befassen. Auf Quellen, die den Adel, das Hofleben und die Etikette, höfische Vergnügungen, die Zurschaustellung von Macht, Patronage-Politik, Chargen, Ämter, Parteibildung oder die Möglichkeiten von Einflussnahme beleuchten. Oder die zur Architekturgeschichte von Schlössern und Residenzen wie Versailles, Saint-Cloud oder den Maisons de Plaisance, wie Marly beitragen. Aber der Blick fällt auch auf Zeitzeugnisse, die die öffentliche Meinung widerspiegeln: Nicht immer untertänig lobend und bewundernd sondern vielfach spottend, klagend oder anschuldigend.

Vervollständigt wird die Sammlung durch einen postrevolutionären Bereich, der sich mit der Zeit nach dem Sturz des französischen Kaisers Napoléon I., der Restauration der Bourbonen auf Frankreichs Thron in den Jahren 1814/15 bis 1830, sowie mit dem letzten König der Franzosen, dem sogenannten « Roi Citoyen » Louis-Philippe I. aus dem Haus d'Orléans beschäftigt, mit dessen Absetzung im Jahre 1848 Frankreichs – zumindest königliche – Monarchie endete.